Posts Tagged ‘Rock’

Dendemann – Vom Vintage verweht

Das Warten hat also endlich in Ende. Dendemann, einer der smartesten und versiertesten Reimer im Lande schickt sich 4 Jahre nach seinem ersten Soloalbum „Die Pfütze des Eisbergs“ und 13 Jahre nach der ersten eins zwo – Veröffentlichung erneut an, die Beine, Zwerchfelle und Köpfe der Republik in Bewegung zu versetzen. „Vom Vintage verweht“, so der kongeniale Titel des Albums versöhnt dann auch auf 13 Tracks all jene, die nach Bushido, Farid Bang und Co. nicht mehr an Qualität im deutschen Sprechgesang geglaubt haben. Produziert von Moses Schneider und unterstützt von einer Liveband ist das Vorhaben, eine Rap-Platte zu erschaffen, die rockt, ohne Crossover zu sein absolut geglückt. So schrammeln und knarzen die Gitarren mit Daniel Ebels Stimme um die Wette dass es eine wahre Freude ist. Auf Instrumentalseite erfreut man sich an Old-School Referenzen, 80‘s Sounds (die überraschenderweise alles andere als nerven) und extrem dicke Produktionen die zumindest im deutschen Rap einmal mehr neue Wege gehen. Hin und wieder hört man mal wieder gescratchte Vokalsamples, leider eine absolute Rarität heutzutage.

Dendemann - Vom Vintage Verweht

Inhaltlich erwarten einen endlich mal wieder Texte, die zum Zuhören anregen, einen mehr als einmal zum Schmunzeln bringen, bei denen man auch nach mehrmaligem Hören noch neues Entdecken kann. Allein „I’m a Record Junkie und zurück“, einer meiner absoluten Favoriten, strotzt nur so vor zitierbaren Lines. Beispiel gefällig? Bitte:

„…die Akkus sind geladen, das genügt soweit / und der Bass ist Fett wie die Senkel in meinen grünen Clydes…“

Oder

„…dann kam die CD, die jeder mag und keiner liebt / und ich kämpfte weiter mit dem alten Riemenantrieb…“

Oder aber

„…keine zehn/zwölf Jahre doch nen 1210er später / ca. 1999 kennt das Thema jeder…“

Wer wie die hoerboten Ende der 80er, Anfang der 90er seine Rap-, Hip Hop- und Musik – Sozialisation begonnen hat, kann jede dieser und auch alle anderen Zeilen in eben jenem Song nachvollziehen!
Und so gibt es auf „Vom Vintage verweht“ unglaublich viel zu entdecken. Das Album hat definitiv mehr Substanz als ca. 90 % der Deutschrap-Veröffentlichungen der letzten 5 Jahre zusammen.
Meine Empfehlung: KAUFEN, am besten auf Vinyl (dem auch die CD beiliegt), denn auch das Artwork ist ein echter Augenschmaus (man beachte nur den auch auf dem Kopf stehend lesbaren Dendemann-Schriftzug”! Danke Dendemann, das wurde gebraucht!

Dendemann – “Vom Vintage verweht” hier bestellen!

11

04 2010

Rinkk – Skketches

Um euch diese wunderbare Nachwuchsband aus den heimatlichen Gefilden näherzubringen und damit sich kristallisiert wer und vor allem was Rinkk ist, sei von der Homepage zitiert: Rinkk klingt wie, als ob ein Reh (mit schwarzen Flecken auf dem Rücken) aus dem Unterholz lugt und dabei niest. Oder wie die Sonne, die gerade ein Mittagsschläfchen macht und sich dabei den Wind des Universums über die Corona streichen lässt.
Oder wie zwei Vögelchen! Genau, wie zwei Vögelchen.
Aber am Ende klingts möglicherweise wie etwas, was unter Umständen an etwas erinnert. Und das könnte folgendes sein: Frieden. Oder eben auch nicht.

Rinkk

Dem Einen mag nun ein Licht aufgegangen sein oder zumindest dämmert es am Horizont. Denjenigen, die sich zu den Anderen zählen, denen beim besten Willen nichts einfallen mag was das nun heißen soll, sei folgendes gesagt: Rinkk machen stimmungsvollen Post-Rock. Stimmungsvoll im Sinne von heiter und leicht. Wobei Post-Rock schon eine zu fixe Kategorisierung ist. Die eigenen “Vorbilder” sind zum Beispiel Motorpsycho, Mogwai und Tortoise. Wer diese Bands kennt und wer sich Rinkk anhört, wird den Einfluss auf jeden Fall erkennen. Wer wunderschöne, handgemachte und vor allem mit viel viel Liebe celebrierte Musik mag, wird bei Rinkk fündig.

04

02 2010

Kid Koala + Ex- Wolfmother = The Slew

Der kanadische Okto-DJ Kid Koala hat sich für das neue Projekt The Slew mit den ehemaligen Wolfmother-Mitgliedern Chris Ross und Myles Heskett zusammengetan. Was dabei herauskommt ist etwas recht eigenständiges zwischen Groove, Rock, Psychedelic und Scratchwahnsinn. Kid Koala lässt es dabei etwas ruhiger angehen und bearbeitet lediglich 6 anstelle von 8 Plattenspielern, wie bei früheren Auftritten. Auf Albumlänge gibt es das Ganze an sofort unter dem Namen „100%“ zu bewundern. Das Video „It’s All Over“ soll einen kleinen Vorgeschmack bieten und macht tatsächlich Lust auf mehr! Ich bin gespannt!

YouTube Preview Image

The Slew – “100%” hier bestellen!

Tags: ,

26

11 2009

Beta Satan

Der Name ist schon mal amtlich. So auch die Debutscheibe der Dänen von 2008. Über die Band gibt es nicht viel zu erzählen. Wie auch, werden doch Informationen zur Band von der Band unter Verschluss gehalten. ‘s geht nu mal nur um die Musik haben sich die Jungs bestimmt gedacht. Besteht die CD doch lediglich aus einem lustigen Cover. Kein Booklet, nüschts.

Beta_satan

Was den Augen fehlt, kriegen dafür die Ohren um so gewaltiger reingeblasen.  12 Bretter werden hier vor den Latz geknallt. Ordentliche Gitarren zwischen herrlich fröhlichen Indiemelodeien und kleinen, aber feinen Hardcore-Salven.
Das Schlagzeug kommt mit ordentlich Druck. Dazu schrillen immer mal wieder echt lustige Keyboardlinien durch, die nie nerven.
Bei Beta Satan geht es ohne Verschnaufpause ordentlich nach vorne. Fast schon so, als ob hier etwas ganz kurz vor der Explosion steht. Macht einen heiden Spaß die Scheibe. Man darf auf den Nachfolger gespannt sein.

Beta Satan – “Girls” hier bestellen!

Tags: ,

19

09 2009

Elbow – The Seldom Seen Kid – Abbey Road Live Version: Kaufbefehl

So viele Ideen hatte ich – Ideen für Platten, die Gegenstand meines ersten Blogposts hier auf hörboten.de sein sollten. “…Doch es kam alles ganz anders…” (um mal ein Sample zu samplen). Kennt Ihr folgende Situation? Man hört eine Platte im Auto und merkt, dass die Gefahr besteht, das Ende der Fahrt vor dem Ende der Platte zu erreichen. So weit so gewöhnlich, nur ist die Platte so großartig, dass man bewusst vom Gas geht, längere Alternativstrecken wählt oder vor dem entgültigen Stop noch einige Male um den Häuserblock fährt. Selbiges passierte mir heute und sorgte dafür, dass meine erste zu beprechende Platte gleich ein absoluter Kaufbefehl (im diktatorischsten Sinne) ist. Aber von vorne. Seit Samstag morgen lag das Paket mit dem Corpus Delicti auf dem Tisch, nämliches Paket beinhaltete die Live-Version einer der Platten die ich nennen würde, sollte mich jemand Ende kommenden Jahres nach meinen Platten der Dekade befragen: The Seldom Seen Kid” von Elbow. In der Live Version heisst das ganze dann sehr bezeichend “The Seldom Seen Kid – Live at Abbey Road”, wo die Britische Band das Album am 17. Januar 2009 gemeinsam mit dem 52 köpfigen BBC Concert Orchestra und Chantage (Radio 3′s 20 köpfiger Chor des Jahres 2008) neu einspielten. Mit Live-Platten ist das ja immer so eine Sache. Auf Grund der fehlenden optischen Eindrücke und der tendenziell schlechteren Aufnahmen wird die Stimmung der entsprechenden Veranstaltung in den seltensten Fällen eingefangen. Elbow sind erfreulicherweise was Soundqualität und Interpretation der Songs angeht erstaunlich nah an den Studioaufnahmen. Wenn man die DVD zur Platte sieht weiss man auch sofort wieso. Da das Konzert in einem Aufnahmestudio – DEM Aufnahmestudio – stattfand waren die Voraussetzungen für eine adäquate Konservierung des Ganzen mehr als optimal. Alle Beteiligten, inklusive des kompletten Chors und eines Großteils des Orchesters, tragen Studiokopfhörer. Das Riesen Mischpult ist des Öfteren zu sehen. Kurzum, man wird den Eindruck nicht los, dass hier bewusst die Konservierung des Ereignisses im Vordergrund stand. Zu Recht denn das Ergebnis ist so ziemlich das Großartigste, was mir in diesem Jahr zu Ohren gekommen ist.
Elbow
So saß ich also am Abend eines wunderbar hochsommerigen Sonntags am Ende eines ereignisreichen und rundum gelungenen Wochenendes im Auto, fuhr dem Sonnengang endgegen in Richtung Hauptstadt und hörte Elbow’s “The Seldom Seen Kid – Live at Abbey Road”
, eine Platte, deren Studio-Version ich ob Ihrer Famosität fast in- und auswändig kenne und war trotzdem wie weggeblasen. Sonnenuntergang, Stimmung und Musik in absoluter Harmonie und obgleich der Live-Mitschnitt wie gesagt recht nah an der Studioaufnahme ist reiht sich ein aha-Moment an den nächsten. Wenn beispielsweise das Orchester, insbesondere der Mann an der Trompete, am Ende des sensationellen “The Bones of You” beginnt “Summertime” zu intonieren oder das komplette Orchester in vollem Bombast in der Mitte von “The Loneliness of a Tower Crane Driver” einsetzt dann ist das so perfekt, dass einem bewusst wird, dass hier etwas ganz Großes geschaffen wurde. “Grounds for Divorce”, “Weather to Fly”, “One Day like This”…einfach alle Songs des großartigen “Orginals” gewinnen durch die “Neuinterpretation”. Das ganze wird im schicken Pappkarton mit CD, DVD, Booklet und Fotos der Aufnahmesession sehr liebevoll und hochwertig präsentiert. Wer sich hier ausschließlich mit der reinen MP3-Version zufrieden gibt, hat absolut gar nichts begriffen. Platte des Jahres (Album des Jahres war’s ja letztes Jahr)! Punkt.

Tags: ,

09

08 2009