Posts Tagged ‘Rock’
Scumbucket – Sarsaparilla
Wenn man über die neue die Scheibe von Scumbucket Sarsaparilla schreibt, kommt man an Blackmail nicht vorbei. Ich will es kurz machen. Das es Blackmail nicht mehr gibt ist sehr schade und ein herber Verlust für den deutschen Indierock. Getrennt haben sie sich, weil Aydo Abay sich von Kurt Ebelhäuser in seinem künstlerischen Spielraum nicht mehr unterdrücken lassen wollte, sagt er. So kann er sich nun mit Ken richtig austoben. Das Ergebnis der diesjährigen Erscheinung ist eher ernüchternd. Und so kann man fast schon froh sein, dass Aydo nicht mehr Einfluss auf den Klang von Blackmail hatte.

Und nun zu Sarsaparilla: Beim ersten Durchhören war ich zunächst entäuscht. Irgendwie wollte sich mir dieses Album nicht erschließen. Im Vergleich zum Vorgänger-Überalbum Kiss than Kind wirkte es sperriger, weniger zugänglich. Es hat nicht diesen leicht poppigen Hauch und auch nicht diesen Mitsing-Hymnen-Charakter. Aber nach mehrmaligen Hören entpuppt sich Sarsaparilla als eines jener Alben, dass mit jedem weiteren Hören wächst und wächst.
Es ist bestimmt und kommt mit dem ersten Titel Starring ar open Skies sofort auf den Punkt: absolut bombastischer und ein alles überrollender Titel. Es gibt dann im Verlauf des Albums einen Chor (”Fear falls on Deaf Ears”) und auch einen Chor zusammen mit Bläsern (”Call me Anyone”), die dann sehr an Blackmail erinnern. Allerdings lässt sich bei diesen beiden Titeln erkennen, dass Scumbucket die besseren Blackmail waren und sind.
Scumbucket haben ein Album veröffentlicht, welches sich immer wieder in unregelmäßigen Abständen durch seinen eigenen Charakter in Erinnerung bringt, wieder einmal gehört werden zu wollen, um dem geneigten Hörer wissen zu lassen: so wird das gemacht.
26
07 2010
Street Sweeper Social Club – No Rage but Against the Machine
Hinter dem Street Sweeper Social Club verbergen sich Tom Morello, Rage Against The Machine’s und Audioslave’s Gitarrenmagier und bekennender Sozialist und Boots Riley seines Zeichens Kommunist und The Coup – MC. Zusammen schicken sie sich an Ihre politischen Überzeugungen in Musik zu gießen. Entsprechend drehen sich die Songs des Mitte 2009 erschienenen selbstbetitelten Debutalbums des Projekts textlich ausnahmslos um Themen wie soziale Ungerechtigkeit, verantwortungslose Politik und ein korruptes Finanzsystem. Musikalisch groovt sich das alles in bester Rage Against The Machine – Manier in Ohr und Nacken und macht erneut deutliche welch riesigen Einfluss Tom Morello anscheinend auf den Sound von RATM und Audioslave hatte. Wo Morello draufsteht ist Morello drin.

Haben wir es also hier nur mit einer RATM – Platte ohne Zac De La Rocha zu tun? Mitnichten. Zwar ist das hier wie bereits gesagt der typischen Rage-Sound, gerappt wird auch, und hochpolitisch geht es auch die ganze Zeit zu. Jedoch unterscheidet sich Boots Riley in 2 Punkten signifikant von Zac De La Rocha. Zum einen kann er wirklich gut rappen, etwas das man De La Rocha bei allem Respekt nie wirklich attestieren konnte. Zum anderen klingt er weit weniger wütend als Morello‘s früherer Wortführer. Boots Riley schreit nicht, wie es Zac De La Rocha tat, er bleibt immer in erster Linie MC. Ein zweischneidiges Schwert wie ich finde, denn so wird die Platte nie anstrengend, jedoch bleibt beim kompletten Durchlauf auch recht wenig im Gedächtnis hängen. Erst beim punktuellen Entdecken der Scheibe findet sich die eine oder andere Perle.
Crossover weiss auch mit dem Street Sweeper Social Club nicht auf Albumlänge zu fesseln. Aber in kleineren Dosen genossen (hin und wieder mal 1-2 Songs) weiß das Ganze sehr zu gefallen, zur Aufwertung der nächsten Party-Playlist ist’s ob des großen Kopfnick- und Arschwackel-Faktors ohnehin mehr als geeignet! Kaufen, Dosierungshinweise beachten und Spass haben!
Street Sweeper Social Club – “Street Sweeper Social Club” hier bestellen!
24
05 2010
Was viele Jüngere gar nicht wissen…
…und viele Ältere bereits vergessen haben:
Am Wochenende beim durchstöbern der Plattensammlung wiederentdeckt und für nach wie vor großartig und überraschend Authentisch befunden! Viel Spass beim Entdecken oder sich erinnern!
24
05 2010
Deftones – Diamond Eyes – Die Zweite Meinung
So nun muss auch ich mal meinen Senf zum kürzlich erschienenen 6. Studioalbum der glorreichen 5 aus Sacramento abgeben. Aber zu allererst mal meine bescheidene Meinung zur oft geschriebenen Einschätzung die Deftones hätten sich „zum Glück“ auf Diamond Eyes wieder dem Sound des 2000er Meisterwerks White Pony angenähert. Dies, liebe Kollegen von der Schreibenden Zunft impliziert, dass die Alben Deftones (2003) und Saturday Night Wrist (2006) eher negativ aus dem Katalog der Band herausstechen, was definitiv nicht so ist. Auf dem Selbstbetitelten 03er Werk findet sich schließlich mit „Minerva“ der größte Song aller Zeiten und Saturday Night Wrist ist faktisch eine Sammlung von Hymnen.
Aber zurück zum aktuellen Album, dem ersten Album nach dem tragischen Unfall von Bassist Chi Cheng. Und was für ein Album Diamond Eyes geworden ist… Was die beiden vorab veröffentlichten Songs „Rocket Skates“ und der Titeltrack „Diamond Eyes“ bereits erahnen und hoffen ließen wird hier noch bei weitem getoppt. Chino Moreno singt sich buchstäblich die Seele aus dem Leid und musikalisch geht es weit weniger experimentell zu als noch auf dem Vorgänger. Die Kalifornier schaffen es erneut Momente absoluter Erhabenheit zu kreieren, nachzuhören auf dem famosen „Beauty School“ oder dem übermächtigen „Royal“. Und so strotzt die Platte vor Momenten überwältigender Schönheit, verlangt allerdings im Gegenzug, dass man ihr genau zuhört und ein gehöriges Maß an Aufmerksamkeit schenkt. Das ist nichts für Nebenbei aber das sind Klassiker ja selten. Definitiv eine der Platten des Jahres und Stand Mai 2010 heißester Anwärter auf den alleinigen Titel.
24
05 2010
Beastie Boys – Check Your Head
Der erste Kontakt mit den Beastie Boys wurde über MTV hergestellt. “No Sleep till Brooklyn” und natürlich “You Gotta Fight For Your Right” haben schön losgefetzt und Geschmack auf mehr gemacht. Und dann hörte man, als Lückenfüller, die ersten 3 oder 4 Stücke von Check Your Head auf einer Kassette eines Kumpels und war wie vor den Kopf gestoßen. Bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit stieg man dann in den Bus und fuhr in die Stadt, um die CD zu kaufen und das Ganze sein Eigen zu nennen.

Das war schon überwältigend was man da zu hören bekam. Diese unglaublich kompakte und wuchtige Musik, die irgendwie alles miteinander verband was es an Stilen gab. So etwas hatte das blutjunge und ungeschulte Ohr noch nie in seinem Leben wahrgenommen. Da hört man Orgeln, klirrende Weingläser, knarrende Türen, wildes Plattengekratze, Schlagzeug, Saxophon, Gitarren und Sprechgesang. Das wird dann alles so miteinander kombiniert, dass man Bauklötzer staunt. Das muss man erstmal verarbeiten können. Das wurde dann auch gemacht, indem die gute Scheibe auf absoluter Hochrotation lief. Irgendwann verstand man dann auch die Texte und alles wurde nur noch besser.
Check Your Head ist das stärkste Album der Beastie Boys. Ein absolutes All-Time-Favorite!
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21
05 2010
Deftones – Diamond Eyes
Die Deftones legen mit “Diamond Eyes” ihr sechstes Studioalbum vor und beweisen wieder einmal ihre Sonderstellung im Bereich des Metal bzw. Rock. Chino schmachtet, leidet und kreischt vom Feinsten. Dazu moshen, grooven, klimpern und prügeln die Bandkollegen in absolut herrlichster Deftonesmanier.

Die Deftones haben ein wunderbar solides Stück Kohlenstoff mit der notwendigen Härte, Dichte, Dispersion, Refraktion und einer kleinen Unreinheit, zu einem wunderbaren Brillanten geschliffen.
Mehr gibt es dazu nicht zu sagen PUNKT!
05
05 2010
The Dillinger Escape Plan – Option Paralysis
Was ist den nur im harten Rock los? Nachdem im letzten Jahr die Alben von Mastodon, Baroness und Poison the Well für offene Münder sorgten kommen nun The Dillinger Escape Plan mit ihrem neuen Album „Option Paralysis“ um die Ecke und blasen einen förmlich um. Die 5-köpfige Band aus New Jersey zeigt auf ihrem 4. Album im 13. Jahr des Bestehens wie komplex harter Rock im Jahr 2010 sein kann. So folgen melodische und großartig arrangierte Passagen auf kompromisslose Mathcore / Chaoscore / Grindcore-Einlagen.

Diese ständige Achterbahnfahrt sorgt dafür, dass die Melodischen Passagen neben den Wasauchimmer-Core – Abschnitten noch raffinierter und erhabener wirken und umgekehrt die Hau-Drauf-Momente durch die sehr musikalischen Augenblicke an Kompromisslosigkeit und Aggressivität gewinnen. Bestes Beispiel hierfür ist das großartige „Widower“, welches als klavierinstrumentierte Ballade zu beginnen scheint, sukzessive an Härte gewinnt und schließlich in einem grandiosen Ausbruch gipfelt, um dann wieder langsam abzuklingen. Absolut majestätisch. Greg Puciato singt, schreit und wütet sich so vor atmosphärisch dichten Soundwänden durch die 10 neuen Songs um den Hörer am Ende sprachlos, erschöpft und begeistert zurückzulassen! Eine sehr atmosphärische, vielschichtige und einfach tolle Platte!
The Dillinger Escape Plan – “Option Paralysis” hier bestellen!
15
04 2010
Dendemann – Vom Vintage verweht
Das Warten hat also endlich in Ende. Dendemann, einer der smartesten und versiertesten Reimer im Lande schickt sich 4 Jahre nach seinem ersten Soloalbum „Die Pfütze des Eisbergs“ und 13 Jahre nach der ersten eins zwo – Veröffentlichung erneut an, die Beine, Zwerchfelle und Köpfe der Republik in Bewegung zu versetzen. „Vom Vintage verweht“, so der kongeniale Titel des Albums versöhnt dann auch auf 13 Tracks all jene, die nach Bushido, Farid Bang und Co. nicht mehr an Qualität im deutschen Sprechgesang geglaubt haben. Produziert von Moses Schneider und unterstützt von einer Liveband ist das Vorhaben, eine Rap-Platte zu erschaffen, die rockt, ohne Crossover zu sein absolut geglückt. So schrammeln und knarzen die Gitarren mit Daniel Ebels Stimme um die Wette dass es eine wahre Freude ist. Auf Instrumentalseite erfreut man sich an Old-School Referenzen, 80‘s Sounds (die überraschenderweise alles andere als nerven) und extrem dicke Produktionen die zumindest im deutschen Rap einmal mehr neue Wege gehen. Hin und wieder hört man mal wieder gescratchte Vokalsamples, leider eine absolute Rarität heutzutage.

Inhaltlich erwarten einen endlich mal wieder Texte, die zum Zuhören anregen, einen mehr als einmal zum Schmunzeln bringen, bei denen man auch nach mehrmaligem Hören noch neues Entdecken kann. Allein „I’m a Record Junkie und zurück“, einer meiner absoluten Favoriten, strotzt nur so vor zitierbaren Lines. Beispiel gefällig? Bitte:
„…die Akkus sind geladen, das genügt soweit / und der Bass ist Fett wie die Senkel in meinen grünen Clydes…“
Oder
„…dann kam die CD, die jeder mag und keiner liebt / und ich kämpfte weiter mit dem alten Riemenantrieb…“
Oder aber
„…keine zehn/zwölf Jahre doch nen 1210er später / ca. 1999 kennt das Thema jeder…“
Wer wie die hoerboten Ende der 80er, Anfang der 90er seine Rap-, Hip Hop- und Musik – Sozialisation begonnen hat, kann jede dieser und auch alle anderen Zeilen in eben jenem Song nachvollziehen!
Und so gibt es auf „Vom Vintage verweht“ unglaublich viel zu entdecken. Das Album hat definitiv mehr Substanz als ca. 90 % der Deutschrap-Veröffentlichungen der letzten 5 Jahre zusammen.
Meine Empfehlung: KAUFEN, am besten auf Vinyl (dem auch die CD beiliegt), denn auch das Artwork ist ein echter Augenschmaus (man beachte nur den auch auf dem Kopf stehend lesbaren Dendemann-Schriftzug”! Danke Dendemann, das wurde gebraucht!
11
04 2010
Rinkk – Skketches
Um euch diese wunderbare Nachwuchsband aus den heimatlichen Gefilden näherzubringen und damit sich kristallisiert wer und vor allem was Rinkk ist, sei von der Homepage zitiert: Rinkk klingt wie, als ob ein Reh (mit schwarzen Flecken auf dem Rücken) aus dem Unterholz lugt und dabei niest. Oder wie die Sonne, die gerade ein Mittagsschläfchen macht und sich dabei den Wind des Universums über die Corona streichen lässt.
Oder wie zwei Vögelchen! Genau, wie zwei Vögelchen.
Aber am Ende klingts möglicherweise wie etwas, was unter Umständen an etwas erinnert. Und das könnte folgendes sein: Frieden. Oder eben auch nicht.

Dem Einen mag nun ein Licht aufgegangen sein oder zumindest dämmert es am Horizont. Denjenigen, die sich zu den Anderen zählen, denen beim besten Willen nichts einfallen mag was das nun heißen soll, sei folgendes gesagt: Rinkk machen stimmungsvollen Post-Rock. Stimmungsvoll im Sinne von heiter und leicht. Wobei Post-Rock schon eine zu fixe Kategorisierung ist. Die eigenen “Vorbilder” sind zum Beispiel Motorpsycho, Mogwai und Tortoise. Wer diese Bands kennt und wer sich Rinkk anhört, wird den Einfluss auf jeden Fall erkennen. Wer wunderschöne, handgemachte und vor allem mit viel viel Liebe celebrierte Musik mag, wird bei Rinkk fündig.
