Posts Tagged ‘Progressiv Rock’

Motorpsycho – Heavy Metal Fruit

Das Motorpsycho 2010 ein Album rausbringen überrascht nicht. Immerhin haben sie seit 1989, bis auf eine 4 Jahre währende Pause, jedes Jahr etwas veröffentlicht. Das mag nach hoher Produktivität klingen, aber bei dem hohen Output waren auch allerhand Sachen dabei, die sie sich hätten sparen können. So ziemlich alles was nach “Trust us” herauskam und das war 1998.

Motorpsycho_
Aber nun ist “Heavy Metal Fruit” erschienen und endlich ENDLICH liegt ein Werk vor, bei dem man nicht permanent seine Finger auf der ffwd-Taste hat und auf wenigsten einen guten Song hofft. Man rollt auch nicht mehr entäuscht mit den Augen oder schüttelt den Kopf oder öffnet das CD-Fach nach den ersten 3 Titeln. NEIN. Von der ersten Minute an ist die Marschrichtung klar: Progessive Rock vom Feinsten! Da ist bei “Starhammer” in den ersten zwei Minuten so leises Brummen zu vernehmen, dass man meinen könnte es passiert nichts. Doch dann wird sich furios entladen, so als ob sich Motorpsycho ihrer Popvergangenheit mit riesiger Wonne entledigen. Irgendwann beruhigen sie sich wieder und jammen ein bischen herum, steigern sich bis zum vermeindlichen Höhepunkt des Liedes, reissen dann alles wieder ein und drehen dann erst richtig auf. “It’s been a long time now since i’ve seen the sun rise high to greet a blue sky“, heißt es bezeichnender Weise in dem fast 13 minütigen Eröffnungstitel. Im weiteren Verlauf des Albums verweilen die norwegischen 90er-Progressive-Druiden in einer Mischung aus 50er Jahre Klaviergeklimper, Ozzy Geplärre, Pink Floyd Bombast und Gejamme in feinster Jazzmanier. Und was man sonst nur von Konzerten kennt, findet sich diesmal auf CD wieder: schier endlos wirkende Lieder wie das ca. 21 Minuten Prachtstück “Gullible’s Travails“. Wahnsinn.
Woher die Rückbesinnung auf den Rock kommt? Keine Ahnung. Ob das wirklich am neuen Schlagzeuger Kenneth Kapstadt liegt weiß ich nicht. Kann aber gut möglich sein. Vielleicht haben sie sich einfach an das Schuster-Prinzip gehalten. Wer weiß. Egal was es ist, es ist schön, dass es wieder eine Motorpsycho-Platte auf ganz hohem Niveau gibt.

26

02 2010

Rinkk – Skketches

Um euch diese wunderbare Nachwuchsband aus den heimatlichen Gefilden näherzubringen und damit sich kristallisiert wer und vor allem was Rinkk ist, sei von der Homepage zitiert: Rinkk klingt wie, als ob ein Reh (mit schwarzen Flecken auf dem Rücken) aus dem Unterholz lugt und dabei niest. Oder wie die Sonne, die gerade ein Mittagsschläfchen macht und sich dabei den Wind des Universums über die Corona streichen lässt.
Oder wie zwei Vögelchen! Genau, wie zwei Vögelchen.
Aber am Ende klingts möglicherweise wie etwas, was unter Umständen an etwas erinnert. Und das könnte folgendes sein: Frieden. Oder eben auch nicht.

Rinkk

Dem Einen mag nun ein Licht aufgegangen sein oder zumindest dämmert es am Horizont. Denjenigen, die sich zu den Anderen zählen, denen beim besten Willen nichts einfallen mag was das nun heißen soll, sei folgendes gesagt: Rinkk machen stimmungsvollen Post-Rock. Stimmungsvoll im Sinne von heiter und leicht. Wobei Post-Rock schon eine zu fixe Kategorisierung ist. Die eigenen “Vorbilder” sind zum Beispiel Motorpsycho, Mogwai und Tortoise. Wer diese Bands kennt und wer sich Rinkk anhört, wird den Einfluss auf jeden Fall erkennen. Wer wunderschöne, handgemachte und vor allem mit viel viel Liebe celebrierte Musik mag, wird bei Rinkk fündig.

04

02 2010

God is an Astronaut – All is violent, All is bright

All is violent, All is bright ist das zweite Album dreier Iren, die sich anschicken wunderschönen Post-Rock zu machen. Allerdings werden hier auf 20 Minutenlawinen verzichtet. Der längste Titel auf diesem Album ist “Forever Lost” und geht etwas mehr als 6 Minuten. Allgemein lässt sich festhalten, das sie hier etwas aus der Reihe tanzen. So verwundern dann schonmal Songs, die noch nicht einmal an der 3 Minutengrenze kratzen.

God Is An Astronaut

God is an Astronaut zaubern wunderschöne Melodien von herrlicher Intensität und Weite. Alles wirkt sehr sphärisch, harmonisch und erhaben. Klangwelten ist in diesem Bereich zwar ein sehr häufig benutztes Synomym, aber hier mal voll zutreffend. Sie konstruieren nach einem einfachen Prinzip ihre Lieder: erst alles in feinster Kleinarbeit und Perfektion erstehen lassen, um es dann kurz und schmerzlos nieder zu reißen.
Meine Empfehlungen sind die Titel: “Suicide by Star” und “When everything dies”. Wer Mogwai, Sigur Rós, Do Make Say Think und und und mag, der kann an God is an Astronaut einach nicht vorbei.

God Is An Astronaut – “All Is Violent All Is Bright” hier bestellen!

02

02 2010

Mastodon – Crack the Skye – Platte des Jahres 2009

Da mag jetzt der eine oder auch andere Leser denken, ‘Wasn mit dem Spinner los? Es ist August und der Typ schreibt was von ner Platte des Jahres?Idiot!’ Und dem entgegne ich: ‘Wenn ich die Möglichkeit gehabt hätte, dann hätte ich diese Platte schon im März, dem Erscheinungsmonat dieser CD, zur Platte des Jahres erkoren, ungeachtet dessen, was noch kommt!!’
Und ich bleib dabei. Die Platte des Jahres kommt von Mastodon und heißt “Crack the Skye“. Mir fehlen die gescheiten Worte, aber ich will es trotzdem versuchen. Hier liegt ein Konzeptalbum vor, dem schwierige Ereignisse aus dem Bandumfeld zu Grunde liegen: Brent Hinds (LeadGuitar, Vocals & Banjo) lag nach einer Schlägerei mit dem Basser von System of a Down  (Shavo Odadjian) bei den MTV Music Awards 2007  im Koma. Die Verletzungen waren angeblich so gravierend, dass er auch hätte diesen erliegen können oder bleibende motorische Schäden davon tragen können. Hat er aber nicht und deswegen lest ihr euch das hier durch. Zusätzlich verarbeitet Schlagzeuger Brann Dailor den Selbstmord seiner Schwester Skye. Und diese beiden schweren Themen werden über die folgende Geschichte verarbeitet:

Es geht um einen verkrüppelten jungen Mann, der mit Astralreisen experimentiert. Er steigt auf bis in den Weltraum, gerät zu nahe an die Sonne, bekommt seine goldenen Nabelschnur abgebrannt, fliegt in ein Wurmloch, wird in die geistigen Ebenen gestoßen, hat Gespräche mit Geistern über die Tatsache, dass er nicht wirklich tot ist und sie beschließen, ihm zu helfen. Sie bringen ihn in eine Weissagung, die von einer russisch orthodoxen Sekte des frühen 20. Jahrhunderts, genannt Klisti, durchgeführt wird, der auch Rasputin angehört.
Im Wissen, dass Rasputin ermordet werden wird, tun sie den Geist des kleinen Jungens in den Körper Rasputins. Rasputin versucht den Thron des Zaren an sich zu reißen und wird von den Yusupovs ermordet, der Junge und Rasputin fliegen aus dem Körper Rasputins durch den Riss in den Himmel und kehren zurück. Rasputin bringt ihn sicher wieder in seinen Körper.

Mastodon

Alles Klar? Na dann, los! “Crack the Skye” kommt definitiv weniger brachial und brutal als die Vorgängeralben. Der Druck fehlt teilweise. Aber das ist gar nicht schlimm. Mastodon präsentieren sich eingängiger denn je. Sie haben sich in eine Richtung entwickelt, die positiver nicht sein kann. Das Album hält gerade mal 7 Titel parat, aber jeder ist ein epochales Meisterwerk. Dabei spielt es keine Rolle ob ein Song nur 3 min29 sek (”Divinations”) geht oder gleich mal 13 min (”The last Baron”). Das ist alles ganz ganz groß. Wenn man das Album durchgehört hat, ist man traumatisiert und weiß nicht was die letzten ca. 50 min geschehen ist. Das muss man erstmal verdauen. Diese Melodien, die Riffs – diese Riffs! – , der Gesang, das Schlagzeug und diese Tempiwechsel nagen sich peu à peu ins Gehör und nisten sich mit jedem weiteren Durchhören tiefer im Gehirn ein. Es ist fast so, als ob der Hypothalamus direkt stimuliert wird und permanent Dopamin ausgeschüttet wird. Ein Leben ohne diesem Album…NIEMALS!

Schört es euch an. Und immer schön die Kopfhörer angezogen. Euer Cazmo

YouTube Preview Image

Mastodon – “Crack the Skye” hier bestellen!

12

08 2009