Posts Tagged ‘Indie’
Scumbucket – Sarsaparilla
Wenn man über die neue die Scheibe von Scumbucket Sarsaparilla schreibt, kommt man an Blackmail nicht vorbei. Ich will es kurz machen. Das es Blackmail nicht mehr gibt ist sehr schade und ein herber Verlust für den deutschen Indierock. Getrennt haben sie sich, weil Aydo Abay sich von Kurt Ebelhäuser in seinem künstlerischen Spielraum nicht mehr unterdrücken lassen wollte, sagt er. So kann er sich nun mit Ken richtig austoben. Das Ergebnis der diesjährigen Erscheinung ist eher ernüchternd. Und so kann man fast schon froh sein, dass Aydo nicht mehr Einfluss auf den Klang von Blackmail hatte.

Und nun zu Sarsaparilla: Beim ersten Durchhören war ich zunächst entäuscht. Irgendwie wollte sich mir dieses Album nicht erschließen. Im Vergleich zum Vorgänger-Überalbum Kiss than Kind wirkte es sperriger, weniger zugänglich. Es hat nicht diesen leicht poppigen Hauch und auch nicht diesen Mitsing-Hymnen-Charakter. Aber nach mehrmaligen Hören entpuppt sich Sarsaparilla als eines jener Alben, dass mit jedem weiteren Hören wächst und wächst.
Es ist bestimmt und kommt mit dem ersten Titel Starring ar open Skies sofort auf den Punkt: absolut bombastischer und ein alles überrollender Titel. Es gibt dann im Verlauf des Albums einen Chor (”Fear falls on Deaf Ears”) und auch einen Chor zusammen mit Bläsern (”Call me Anyone”), die dann sehr an Blackmail erinnern. Allerdings lässt sich bei diesen beiden Titeln erkennen, dass Scumbucket die besseren Blackmail waren und sind.
Scumbucket haben ein Album veröffentlicht, welches sich immer wieder in unregelmäßigen Abständen durch seinen eigenen Charakter in Erinnerung bringt, wieder einmal gehört werden zu wollen, um dem geneigten Hörer wissen zu lassen: so wird das gemacht.
26
07 2010
Animal Collective – Merriweather Post Pavillion & Caribou – Swim
Ein Gastbeitrag
Über Musik zu schreiben ist für mich wie über Philospohie zu schwimmen. Das Angebot der HOERBOTEN.DE, einen Gastbeitrag über drei Bahnen im 25 Meter-Becken zu verfassen, will ich trotzdem dankend annehmen. Wir tauchen in die aktuellen Platten von Animal Collective und Caribou ein. Stücke beider Alben im Wechsel zu hören mag daneben gehen; ein gemeinsamer Textbeitrag hingegen passt wunderbar – denn der kleinste gemeinsame Nenner dieses ungleichen Paares beschränkt sich darauf: Es sind psychoaktive Meisterwerke.
Das Atmen nicht vergessen. Die AC Scheibe wird zum Klassiker und von den Meisten in 15 Jahren vielleicht besser verstanden als gegenwärtig. “Merriweather Post Pavillion” ist eine Gehirnschnecke. Das zeichnet sich erst nach mehrmaligem Hören ab und dann ist es auch schon zu spät. Jedoch hätte man es wissen müssen – die Gestaltung des Albumcovers warnt vor. Damit sind wir an der ersten Wende, wechseln von Freistil auf Brust. Das Wasser wird flacher und fühlt sich auf einmal um 5 Kelvin wärmer an – “Swim” von Caribou will man draussen an den Elbwiesen hören, Caipirinha trinkend im knietiefen beleuchteten Pool in einer lauen Nacht. Falls das nicht geht, tun es auch Kopfhörer, die Heim-Stereo oder das VW Soundsystem. Vielleicht ist das die Platte, die man von den Chemical Brothers erwartet hätte? Schon schlägt man zur letzten Wende an und wird die verbleibenden 25 Meter von einem Torrent abwärts mitgerissen, daher kann man sich entspannt in die tote-Mann-Position begeben und einfach mit der Strömung treiben lassen. Aus den Felsspalten ranken links und rechts Songs, Geschichten und Szenerien in die Höhe, wiegen sich im Wind und du bist ganz nah dran zu verstehen, was Animal Collective in “Guys Eyes” mit “I really want to do just what my body wants to, I really want to do just what my body needs to” meinen.

Caribou - Swim & Animal Collective - Merriweather Post Pavillion
Caribou “Swim” erschien offizell im April 2010 bei city slang, Animal Collective “Merriweather Post Pavillion” wurde im Januar 2009 von domino veröffentlicht.
Caribou – “Swim” hier bestellen!
Animal Collective – “Merriweather Post Pavilion” hier bestellen!
21
04 2010
Danger Mouse und James Mercer sind Broken Bells
Nach Danger Doom, den beiden Gnarls Barkley Platten und dem zweiten Gorillaz Album bin ich gewillt alles zu kaufen, wo der Name Danger Mouse drauf steht. Brian Burton sorgt, seitdem er mit dem Beatles-Jay-Z-Mashup-Album „The Grey Album“ auf der Bildfläche erschien, für absolut zeitlose und unendlich coole Produktionen. Nun also Broken Bells, das gemeinsame Projekt mit The Shins-Sänger James Mercer und wieder werde ich nicht enttäuscht. Was auf dem selbstbetitelten ersten Album der beiden mit der famosen Single „The High Road“ beginnt und auf 9 weiteren Songs seinen Lauf nimmt ist mal wieder so unglaublich liebevoll und perfekt produziert und bietet somit die ideale Umrahmung für Mercers Gesang. Das hier ist eine wirklich schöne Melange aus smarten Produktionen, die nur noch entfernt an die Hip Hop – Herkunft des Urhebers erinnern und verträumtem Folkpop.

Gern verlieren sich die zwei in tollen Sixties-Arrangements und geben diesen einen modernen und entspannten Anstrich. So entsteht eine Platte, die an lauen Sommerabenden genauso funktioniert wie an kalten Wintertagen (Gottseidank haben einem die vergangenen Wochen die Möglichkeit gegeben beides auszuprobieren). Zugegebenermaßen hatte ich nach den ersten Durchläufen das Gefühl, dass hier außer der Single nichts hängenbleibt. Aber das als Langeweile abzutun wäre töricht denn die Platte wächst mit jedem Hören. Auch nach Broken Bells sage ich: Wo Danger Mouse drauf steht steckt gute Musik drin!
28
03 2010
Gorillaz – Plastic Beach – Die zweite Meinung
Nun höre ich das neue Album der Gorillaz bereits zum dritten Mal und so richtig haut mich das nicht vom Hocker.
Ich finde die komplette Produktion, im Vergleich zu den Vorgängeralben, uninspiriert, teilweise kitischig und vor allem wenig kreativ. Frei nach dem Motto: Wir sind die Gorillaz und egal was wir veröffentlichen, ihr findet es sowieso gut.
In einem Punkt widerspreche ich meinem werten Kollegen ganz entschieden: innovativ ist das Album nicht. Vor allem dann nicht, wenn ich bei “Empire Ants” die ganze Zeit an Jean Michel Jarre denken muss. Das Snoop Feature hätten sie sich sparen können. Auch sonst bin ich von den ganzen Gastauftritten nicht überzeugt. In diesem Fall wäre weniger eindeutig mehr gewesen.
Abschließend halte ich fest: an das tatsächlich famose Demon Days können sie nicht anknüpfen. Der große Wurf ist ihnen nicht gelungen. Alles in Allem ein solides Album, mehr nicht.
26
03 2010
Gorillaz – Plastic Beach
Hin und wieder kommt es vor, dass ein Album zum absolut richtigen Zeitpunkt erscheint. Plastic Beach, das dritte Gorillaz – Album erschien dieser Tage, als die Anzeichen auf ein baldiges Ende eines viel zu langen Winters stärker wurden und bietet somit den perfekten Soundtrack zum Frühling. Die von Blur-Frontmann Damon Albarn und Comic Ikone Jamie Hewlett ins Leben gerufene virtuelle Band bestehend aus Sänger 2D, Bassist Murdoc Niccals, Gitarristin Noodle und Drummer Russel Hobbs hat mit Album Nummer 3 im 12. Jahr des Bandbestehens wieder mal einen ganz großen Wurf gelandet. Auch Plastic Beach ist wie seine Vorgänger ein innovatives, zeitloses(!) und verdammt cooles Stück Gute-Laune- Musik.

Nach dem orchestralen Intro gibt das von Snoop Dogg bereicherte „Welcome to the World of the Plastic Beach“ gleich einen famosen Einstieg auch und gerade weil sich Snoop angenehm zurücknimmt. Im weiteren Verlauf der Platte geben sich dann Mos Def, De La Soul, Mark E. Smith, Lou Reed und weitere illustre Gäste die Ehre. Musikalisch ist das ganze entspannt und detailverliebt produziert wie eh und je. Meine Sorge, dass Über-Produzent Danger Mouse nach dem großen Demon Days (hat einen Platz in meiner Alltime-Fav-Lise) dieses mal nicht mit an Bord ist war komplett unbegründet. Auch ohne ihn groovt, dubt und kickt das ganze extrem ordentlich zwischen live eingespielter Orchestierung, traditionellen “World Music”-Anleihen und verspielter Hip Hop Produktion. Das das Artwork wie immer zauberhaft ist muss ich nicht genauso wenig erwähnen, wie die Tatsache, dass das Video zur ersten Single “Stylo” nebst Bruce Willis Auftritt sehr cool ist! Bleibt zu hoffen, dass es nicht das letzte Album der Gorillaz bleibt, nachdem ja eigentlich bereits nach Demon Days schluss sein sollte. Kaufbefehl. Hallo Frühling. What took you so long?
07
03 2010
Rain Machine – Kyp Malone auf vertrackten Solopfaden
Das ist sie nun also, die erste Platte von Rain Machine, dem Soloprojekt von Kyp Malone, seines Zeichens Sänger und Gitarrist der New Yorker Soul-Prog-Art-Rock-Spezis TV On The Radio. Sperrig ist Sie geworden, schwer und sehr viel weniger zugänglich als die Platten von Malone‘s Hauptband. Intro und Einstiegstrack lassen noch einige Parallelen (abseits der Stimme) zu TV On The Radio erkennen, doch gerade ab dem zweiten Drittel verliert sich Kyp Malone oft in seinen Songs. Er wimmert, leidet, schreit, flüstert, singt zu spärlicher aber sehr stimmungsvoller Instrumentierung. Auf den Einsatz einer klassischen Rhythmussektion wird in der Regel komplett verzichtet, Rhythmus bedeutet hier Schellenkranz und Händeklatschen. Auch die restliche Instrumentierung beschränkt sich meist auf eine Akustik-Gitarre. Vieles gleicht eher einer Jam-Session als einem klassischen Song auch weil die Instrumentalpassagen zuweilen kein Ende zu finden scheinen. So geht Malone hier Wegen, die seine Hauptband nicht geht.

Keine leichte Kost, aber eine unkonventionelle, intelligente Platte voller Spannung, Reibung und vieler wunderschöner Momente. Anders als TV On The Radio aber keinesfalls weniger großartig!
31
01 2010
Gorillaz 2010 – erste Single online
Das neue Jahrzehnt könnte tatsächlich ein gutes werden, zumindest musikalisch. Was wird da nicht alles angekündigt…meine Herren. Es bleibt dann bloß noch abzuwarten, wann wirklich und ob überhaupt – Stichwort Dr. Dre – die Alben erscheinen.
Nachdem das letzte Album der Gorillaz aus total unerklärlichen Gründen in den Medien untergegangen bzw. kein besonderes Feedback bekommen hat, soll am 05. März das dritte Album namens “Plastic Beach” erscheinen. Um die Wartezeit auf das Album zu verkürzen, darf man sich auf www.gorillaz.com die Vorabsingle “Stylo” feat. Bobby Womack & Mos Def anhören. Diese darf man sich dann ab 26. Januar auch kaufen.
22
01 2010
The Herbaliser – Same as it never was
Wie tanzbar HipHop Musik sein kann ohne einen nervenden MC der darauf hinweisen muss, dass dieser Tune in den Club gehört und dazu am besten gleich noch der Maserati und die Fly-Girls sowieso, beweisen The Herbaliser mit ihrem 2008 unter !2K veröffentlichten Album “Same as it never was”.

The Herbaliser haben stets HipHop, Jazz, Funk und Soul vermischt und verwurschtelt und daraus wunderbar abgehangene und super entspannte Alben gemacht. Dabei viel die Gewichtung der einzelnen Stile immer unterschiedlich aus. Immer von allem etwas, aber mal mehr HipHop/Rap oder mehr Jazz oder Soul.
Bei “Same as it never was” fühlt man sich automatisch an Tom Jones und Las Vegas erinnert. Es geht hier mit in die Richtung Disco/Funk. Sämtliche Titel sind herrlich leicht und beschwingt komponiert. Richtige Raps gibt es nur in 2 Liedern, was aber auch gar nicht schlimm ist. Der Rest ist entweder instrumental oder wird von der stimmgewaltigen Jessica Darling famos unterstüzt. Alles treibt nach vorne und will betanzt werden.
So herrlich kann HipHop sein.
16
01 2010
Kid Koala + Ex- Wolfmother = The Slew
Der kanadische Okto-DJ Kid Koala hat sich für das neue Projekt The Slew mit den ehemaligen Wolfmother-Mitgliedern Chris Ross und Myles Heskett zusammengetan. Was dabei herauskommt ist etwas recht eigenständiges zwischen Groove, Rock, Psychedelic und Scratchwahnsinn. Kid Koala lässt es dabei etwas ruhiger angehen und bearbeitet lediglich 6 anstelle von 8 Plattenspielern, wie bei früheren Auftritten. Auf Albumlänge gibt es das Ganze an sofort unter dem Namen „100%“ zu bewundern. Das Video „It’s All Over“ soll einen kleinen Vorgeschmack bieten und macht tatsächlich Lust auf mehr! Ich bin gespannt!
