De La Soul – Berlin, Astra, 16.12.2011

Guten Morgen Berlin an diesem Samstagmorgen im Dezember. Was war das gestern nur für ein Erlebnis? Drei Herren über 40 schickten sich an im Astra zu Berlin Songs zu präsentieren, die in erster Linie 15 Jahre und mehr auf dem Buckel.
Der Abend begann mit einem feinen Warm Up DJ Set dass sich den Perlen des Raps der 90er widmete und sehr zu gefallen wusste.
Data MC um ex-Walking-Large-Rapper Ono enterten als Support-Act die Bühne und wussten leider nicht so zu überzeugen, was allerdings weniger an den Bühnenfähigkeiten der Jungs als vielmehr an der dargebotenen Musik lag. Not my Cup of Tea. Das änderte sich schlagartig, als für die letzten beiden Stücke Yarah Bravo als “Überraschungsgast” die Bühne betrat und sofort ein Feuer entfachte.

de la soul ticketWas dann nach kurzer Pause passierte lässt sich nur mit dem Wort “sensationell” beschreiben. De La Soul traten ins Rampenlicht, fragten wo die Party sei und gaben die Antwort in den folgenden 2 Stunden direkt selbst. Seit Redman vor gut eineinhalb Jahren habe ich keine so energiegeladene Rapshow mehr geshen. Hier wurde in jeder Sekunde Hip Hop gehuldigt. Der Backkatalog aus über 20 Jahren Bandgeschichte gibt allerdings auch genügend her um einen solchen Abend locker nach Hause zu fahren. Und wenn dann noch das Publikum ein positives und hingebungsvolles ist, welches bereits nach den ersten Cuts und Takten weiß, was gleich passieren wird kann man als Künstler nicht verlieren. Es wurde getanzt, mitgerappt und auch die anschließende Aftershowparty war als Verlängerung des Abends eine einzige Liebeserklärung an Hip Hop abseits von Waka Flocka Flame, Gucci Mane, Flo Rida und ähnlichen Geschwüren jüngerer Zeit.
De La Soul is NOT dead! Word!

17

12 2011

Das Racist – Berlin, Festsaal Kreuzberg, 12.12.2011

das racist berlinIn der einschlägigen Presse konnte man kürzlich lesen, dass die Musik von Das Racist noch vor einiger Zeit als Hipster-Rap bezeichnet worden wäre. Wenn man dieser Tage das Publikum beim Auftritt der New Yorker in Berlin betrachtet möchte man dieser Aussage wiedersprechen und sagen: “Das Racist SIND Hipster Rap”. Denn tatsächlich ist die Wollmützen- und Skinny-Jeans-Dichte für ein Rapkonzert frappierend hoch.
Aber von vorne: Der Festsaal Kreuzberg ist wirklich eine sehr nette Konzertlocation, nicht zu groß, Nichtnichtraucherzone und es wird noch Bier in Flaschen zu moderaten Preisen verkauft. Das kennt man in der Hauptstadt auch anders. Die „Vorband“ bilden an diesem Abend 2 junge Damen, die zu Instrumentals aus dem Rechner singen und langweilen, weswegen ich mir den Namen der beiden beim besten Willen nicht gemerkt habe.

Danach Animations-Schleifen auf der Leinwand mit vielen bekannten Helden (The Mask, Bart Simpson, etc) nebst Countdown – Nette Idee.
Heems, Kool A.D. und Dapwell betreten die Bühne begleitet von einem Computerbediener (der im Laufe des Abends noch ans Mikro treten sollte und dort auch durchaus Talent beweist). Ja, DJs sind wohl out in 2011. Alle 4 sind ganz offensichtlich nicht nüchtern und genau das macht den Abend zum einen interessant, zum anderen jedoch auch bisweilen sehr anstrengend. So machen die Raps extrem viel Spaß. Alle drei sind versierte MCs und die Songs, vornehmlich vom aktuellen, ersten Album „Relax“ sind ohnehin eine Bank. Zwischen den Songs wird es allerdings reichlich stressig. Nervenzerrendes Rumgeschreie und –gemache, welches jedoch durch den Abriss, der während der Songs passiert locker wett gemacht wird. Die Animationen auf der Videowand sind wirklich unterhaltsam: Snoopy, Beyonce, Donald Rumsfeld, Osama Bin Laden, Arnold Schwarzenegger, Aliens, u.v.m. in animierten Loops verwurstet machen Spass und man kommt in den zweifelhaften Genuss, Kanye’s Totalausfall in einer 10-Minutenschleife wiederzuerleben. Nach gut 80 Minuten ist Schluss, es ertönt das Opening Theme der Cosby Show und die Videowand sieht man vor lauter Qualm (erzeugt durch Nebelmaschine + Publikum) kaum noch. Guter Abend, gerne wieder!

13

12 2011

Aphroe – Zeit ist knapp (Video)

…alte Besen kehren gut! Nee. jetzt mal im Ernst. Das ist genau das, was man sich von der Rückkehr des Raid-/RAG-/La Familia-Rappers erhofft hat und die Rache für vieles, was uns im hiesigen Rap in den vergangenen Jahren die Schamesröte in’s Gesicht getrieben hat. Bin beseelt und begeistert…

YouTube Preview Image

11

12 2011

Ghostpoet – Peanut Butter Blues & Melancholy Jam

ghostpoet coverWenn einem wunderbare Musik empfohlen wird, dann oft auch von wunderbaren Menschen. Durch eben solch eine Empfehlung wurde ich auf Ghostpoet aufmerksam, einem britischen Künstler, der im Februar diesen Jahres sein erstes Album „Peanut Butter Blues & Melancholy Jam“ veröffentlichte. Ein famoses Werk von einem Künstler dessen Stil tatsächlich seines Gleichen sucht.
Wenn man den Rap-Singsang Ghostpoets als „besoffenes Genöle“ bezeichnet, klingt das zwar despektierlich ist in diesem Falle allerdings wohlwollend beschreibend gemeint, da man so eine Vorstellung von dem bekommt, was lyrisch – zumindest vortragend – auf der Scheibe passiert. Inhaltlich treffen Künstlername und Albumtitel den Kern des Ganzen am besten: Melancholisch bis nachdenklich depressiv.

Musikalisch trumpft Obaro Ejimiwe, so der bürgerliche Name des jungen Mannes, mit unverbrauchten Sounds und sphärischen Klangflächen auf, welche die ideale Leinwand für seine Geschichten und Bilder bildet.

Ein Album das zum Zuhören auffordert, zum „Entschleunigen“ einlädt und das man schlichtweg gut finden muss. So kommt man beim Hören tatsächlich zur Ruhe und beginnt ein ernstgemeintes Interesse dafür zu entwickeln, was hier textlich passiert. Und wenn wir mal ehrlich sind ist das bei eher wenigen HipHop/R’n B – Platten der Fall.

Anspieltipps spare ich mir in diesem Fall, da das Herausheben einzelner Stücke der Platte nicht gerecht würde. Man kann und sollte „Peanut Butter Blues & Melancholy Jam“ komplett hören oder besser gesagt sich auf eine 42 minütige Reise mitnehmen lassen.

So bedanke ich mich hiermit vielmals beim Hinweisgeber für den tollen Tipp, bei Ghostpoet für eine DER Platten dieses Jahres und schäme mich gleichzeitig ein wenig, dieses Juwel erst jetzt entdeckt zu haben. Kaufbefehl!!!!

PS: hier als kleiner Vorgeschmack die Videos zu “Cash and Carry me Home” und “survive it”

YouTube Preview Image YouTube Preview Image

11

12 2011

Neues Casper Video

…einer der Besten Songs des Albums und ein wirklich tolles Video!!!!

Casper – Auf und davon from Four Music on Vimeo.

09

12 2011

dEUS – Live im Astra, Berlin am 30.11.2011

deus - astraDer erste Gedanke beim Verlassen des Astra nach dem Konzert: „Meine Herren, sind die Live gut!“. Folgendes war passiert. Gegen 21 Uhr ins Kulturhaus an der Revaler Straße in Berlin Friedrichshain, die Vorband SX (aus Belgien) steht auf der Bühne und weiß mit seinem Synthie-dominierten Pop durchaus zu gefallen. „Tut keinem weh“ denkt man.

Dann Umbaupause. Hinter der Bühne wird #dEUS_30112011 an die Wand projiziert. Ein Twitter-Hashtag zum Konzert – kannte ich so auch noch nicht.
Gegen 21:45 betreten dann endlich die 5 Herren aus Antwerpen die Bühne, verlieren kein Wort und legen direkt los. Ein grandioses neues Album (Keep You Close) und eine Vielzahl an Perlen aus dem umfangreichen Backkatalog im Gepäck nehmen sie das Publikum mit auf eine Reise durch neue und ältere Songs, die alle um einiges rockiger, bisweilen sogar „noisiger“ ausfallen als auf den Platten.
Nächster Gedanke: „Hier stehen versierte und vor allem routinierte Musiker auf der Bühne“ Recht unaufgeregt entlockt man allerhand Instrumenten wunderbares (toll, wie eine gezupfte Violine klingen kann). Lediglich Frontmann Tom Barman (der übrigens eine wirklich beeindruckende Sprechstimme hat) lässt bisweilen eine kleine Portion netter Verrücktheit durchblitzen. Auf „Keep You Close“ folgt „Sister Dew“ und selbst dieser recht melancholische Klassiker wird zur Hälfte in eine noisige Version überführt, die sehr zu gefallen weiß, da Noise hier nicht zum elitären Mucker-Selbstzweck verfällt sondern nach wie vor sauber gespielt und melodiös daherkommt. Da stören auch das zwischenzeitliche Übersteuern des Sounds bei Bass und Gesang nicht weiter.
… ach ja: dEUS haben gespielt und schön war’s!

02

12 2011

Pinback – Autumn of the Seraphs

Pinback - Autumn of the SeraphsHeute soll weniger ein Album besprochen werden. Vielmehr soll eine Band vorgestellt werden. Pinback sind eine dreiköpfige Band aus San Diego und machen herrlich schöne und angenehme Indie-Pop-Rock Musik. Wer Built to Spill, Nada Surf, Modest Mouse und/oder Death Cab for Cutie mag, der wird auch Pinback mögen. Wobei gleich vorneweg zu sagen ist, das sie nicht ganz so weichgespült wie Death Cab for Cutie sind.

Als Referenz für die Musik soll das letzte Album Autumn of the Seraphs empfohlen werden. Mit hervorragenden Melodien vom ersten bis letzten Song wird eine der Witterung entsprechende Stimmung transportiert. Schöne Musik mit einem melancholischen Touch, ohne Kitsch oder affektiert zu wirken. Und hier kann man ruhig das Wort “schön” verwenden. Denn wenn Musik als “schön” bezeichnet ist das immer eine schwierige Sache. Schöne Musik ist nämlich in den meisten Fällen langweilig und ohne Belang. Hier definitiv nicht! Das gilt für sämtliche Alben von Pinback.
Für den Herbst und Winter genau die richtige Musik.

Um sich eine Eindruck zu verschaffen hier mein favorisiertes Lied:

Tags: , ,

25

11 2011

Chokebore – Live in Berlin (15.11.2011)

chokebore 2011-tourVage konnte ich mich an das Immergutfestival von 2003 erinnern, bei dem ich zum ersten Mal Chokebore live gesehen habe. Ich erinnere mich daran, dass sie im kleinen Zelt gespielt haben und dass es sehr sehr warm war. Troy meinte man solle ja nicht nach Hawaii, weil es dort noch wärmer und unerträglicher wäre als hier. Vor allem erinnere ich mich daran, dass ich einen sehr guten und viieeel zu kurzen Auftritt gesehen hatte.

2011 sind 2 Dinge gleich geblieben. Ein verdammt guter Auftritt, der auch diesmal zu kurz war, obwohl es sich diesmal um vielleicht 70 Minuten gehandelt hat inklusive Zugabe. In dem Punkt ein wenig Schade. Ansonsten hat alles gepasst, nur das das Wetter echt gesaugt hat. Klar es ist November, trotzdem kein Grund kalt zu sein! Denn draußen warten macht dann nur bedingt Freude. Aber irgendwie hat es dann doch wieder gepasst. Nebel und Dunst, keine bescheuerte “Indian-Summer-hach-ist-das-schön-Stimmung”. Schön trist und roh. Genau richtig um Chokebore zu hören und zu sehen.

Stattgefunden hat das Ganze im Marie-Antoinette in Berlin, einem wirklich kleinen Club. Zugegen waren vielleicht 150 Leute, mehr nicht, es könne sogar weniger gewesen sein. Nach dem die anstrengende Vorband, deren Name keine Rolle spielt, endlich das Feld geräumt hatte und alles soweit aufgebaut war, begann ein wunderbarer Konzertabend. Schöne alte Sachen haben sie gespielt und natürlich noch ihre neue EP “Falls Best” vorgestellt. Alles ging schöne nach vorne. Alle Beteiligten hatten sichtlich Spaß. Was mir aufgefallen ist, das Chokebore live tatsächlich besser geklungen haben als von CD! Feine Sache. Und eine Sache noch: Konzerte in kleinen Lokalitäten sind soviel besser als in großen Hallen. Alles wirkt persönlicher und intensiver, auch wenn nicht direkt und immer mit dem Publikum agiert wird.

Also: ganz fantastisch und immer wieder gerne!

Chokebore – Lawsuit by Vicious_Circle

17

11 2011

Elbow – Live, Huxley’s Berlin 10.11.2011

Berlin im November 2011: Es ist kalt, neblig, ungemütlich, grau. Gute Voraussetzungen also, Elbow – die großartige Band aus Manchester – endlich einmal Live zu erleben. Ort des Geschehens ist das Huxley‘s in Berlin, eine wunderbare und mit seinen tollen, barocken Verzierungen dem Anlass mehr als würdige Location.
Eröffnen darf die australische, in England lebende Band Howling Bells, die ich allerdings (absichtlich) verpasst habe. Pünktlich zur Umbaupause geht es also in den Saal. Gin Tonic gekauft und los geht es. Der Saal verdunkelt sich. Ein Streichquartett betritt die Bühne, gefolgt von Pete Turner, Mark und Craig Potter, Richard Jupp und Guy Garvey. Letzterer prostet dem Publikum zu, das Publikum prostet zurück.
Ein kurzes „…Good evening Berlin…“, dann „The Birds“, der grandiose Opener des aktuellen Albums Build A Rocket Boys.
Guy Garvey ist ein grundsympathischer Mensch mit einem herrlich kantigen, britischen Charme und weiß auch zwischen den Songs wunderbar zu unterhalten. So stimmt er auf Grund des Vollmondes immer wieder pseudosakrale Mantra-Luna-Gesänge an, um das Ganze abschließend mit einem trockenen „…I don’t believe in this crap…“ abzuschließen. Laute Zwischenrufe werden entweder freundlich beantwortet oder in einem Fall mit den Worten „…No Manchester-shit. You are guests, behave like guests…“ quittiert.

elbow - live

„Grounds For Divorce“, „The Loneliness Of A Tower Crane Driver“, „Weather To Fly“, „Lippy Kids”, „Mirrorball”, … die Playlist läßt keine Wünsche übrig und füttert sich dabei hauptsächlich zu nahezu gleichen Teilen aus dem 2008er Album The Seldom Seen Kid und aus dem aktuellen.
Mittendrin stößt die Band auf ihr 20jähriges Bandjubiläum an (in gleicher Besetzung wohlgemerkt), welches just auf den heutigen tag fällt.
Gänsehautmomente gibt es bei „The Night Will Always Win“, welches Garvey allein vom Piano begleitet zum Besten gibt. Nach zwei Stunden inklusive Zugabe endet ein Abend, der einen buchstäblich alle Sorgen vergessen ließ.

Sound: Perfekt.

Stimmung: Toll.

Guy Garvey: ein guter Typ.

Band: Elbow – die beste Band der Welt!

Hoffentlich nicht zum letzten Mal.

11

11 2011

Modeselektor – Monkeytown

modeselektor-monkeytownKein Gastbeitrag und doch eine Elektroalbum! Wer hätte das gedacht?! Woran kann das bloß liegen?

Der erste Grund wird der sein, dass das Eröffnungslied “Blue Clouds” schwer an Múm erinnert. Das gibt schon einmal einen dicken fetten Creditpoint. Dann geht es weiter mit einem Busdriver Feature. Das ist ganz witzig, aber nichts außergewöhnliches. Hier gibt es aber einen Pluspunkt wegen dem Feature.

Aber dann, dann kommt DAS Lied der Lieder auf Monkeytown: Shipwreck feat. Thom York. Das ist so gut, das man vor lauter Verwunderung kurz überlegt, ob das nicht ein Lied von Radiohead ist. Sehr sehr gut!

“Evil Twin”& “German Clap” sind dann schon eher typische tanzbare Lieder frei nach den Motti: “Ich kenn alle im Club”, “Busfahrer”, “Einkaufen” und natürlich “Haus bauen”.
Kommen wir zu den nächsten Krachern. “Berlin feat. Miss Platnum” und dem absoluten Kopfnicker “Grillwalker”. Auch hier wieder dicke fette Creditpoints. “Grenn light go” ist wohl der Versuch einer Elektro-Ballade. Ist jetzt nicht sooo der Brüller. Vielleicht verstehen das nur die wahren Köpfe?! Hier gibt es keinen Creditpoint.

“Humanized feat Anti-Pop Consortium” fetzt und ab Minute 1:05/6 kommt es ganz dicke aus den Lautsprechern. Bleiben noch “This feat. Thom York” und “War City” übrig. Auch hier zwei sehr gute Lieder, wobei “War City” ein sehr würdiges letztes Lied ist und ein gelungenes Album mit Ohrwürmern und Tanzmöglichkeiten beschließt.

Zum Abschluß hier das Video zum fantastischen “Shipwreck

03

11 2011