Haiku d’etat live in Dresden – 29.11.2009
Am Sonntag fand im Puschkin so etwas wie eine Hip Hop Jam statt. Aber irgendwie auch wieder nicht. Angekündigt waren Haiku D’Etat, eine Formierung bestehend aus Aceyalone & Mykah 9 von der Freestyle Fellowship und Absrtact Rude. Alle 3 gehören irgendwie dann noch in die große Project Blowed Familie. Weiterhin waren K-The-I??? und die Magic Heart Genies mit DJ Drez angekündigt. Volles Programm also mit ordentlichen Rap-Schwergewichten.
Das erste Schwergewicht – und das im wahrsten Sinne des Wortes – war K-The-I???. Großes Minus bei ihm: kein DJ! Es macht einfach keinen Spaß, wenn ein Künstler auf die Bühne kommt, seinen Laptop anschmeißt und dann unvermittelt anfängt und ohne Fluss oder musikalische Übergänge seine Titel runterotzt. Erschwerend kam bei ihm noch hinzu, das er aus der Richtung Spoken Word zu kommen scheint. Denn er hat nicht gerappt, sondern predigermäßig Wortsalven auf das Publikum losgebrüllt, die kein Anwesender auch nur im Ansatz verstehen konnte. Musikalisch waren seine Produktion super abstrakt, so in die Richtung Dälek, aber nicht ganz so verzwickelt. Wobei er es geschafft haben muss, sein Körpergewicht auf die Bässe übertragen zu haben, denn die haben einen überrollt. Die Stimme war auch nicht besonders pralle. Alles in Allem zu anstrengend und das Gehör überfordernd.
Danach wurde es unbeabsichtigt lustig zum einen und richtig geil zum anderen. Richtig geil war DJ Drez, der ab diesen Zeitpunkt bis vermutlich zum Ende des Abends die Wheels of Steel bediente. Ganz großes Kino! Aufgrund der geringen Zuschaueranzahl konnte man dem Mann beim handwerken zusehen. Was man gesehen und dazu gehört hat war einfach famos. DJ Drez hat es drauf und ich wage zu behaupten, das er in einer Liga mit Cut Chemist und Kid Koala spielt. Mehr Referenz geht nicht.
Zu Drez gesellte sich dann J the Sarge und etwas später Mykah 9. Mit J the Sarge wurde es lustig. Ich glaube der Gute nimmt Hip Hop zu ernst um noch cool zu sein. Er sah aus wie ein leicht aggressiver Cowboy aus den Südstaaten. Durch seine permanente grimmige Mimik vermittelte er den Eindruck, dass wenn nicht augenblicklich die Leute ihre Arme und Hände in Luft reißen und Yo brüllen, sie waren schon irgendwie gehemmt, er von der Bühne springen würde und jeden persönlich mit der Faust dazu auffordern würde. Und auch sonst hatte man das Gefühl, der Typ hat als Teenager alleine in seinem Kinderzimmer vor dem Spiegel die gängigen Posen geübt und gibt sie nun zum Besten. Es war unfreiwillig komisch anzuschauen. Raptechnisch hat er irgendwie an Taktlos erinnert, hat aber nur halb so viel spaß gemacht. Das wurde alles irgendwie auch nicht besser, als Mykah 9 auf die Bühne kam und die beiden dann Magic Heart Genies ergaben. Die Mugge war der Hammer, aber die Raps haben nicht gepasst. Das war nicht stimmig. Und ob Mykah 9 nun tatsächlich die ganze Zeit in der Gedichtform Haiku gerappt hat kann ich nicht sagen, da bin ich nicht firm drin. Aber er hat es ja des öfteren erwähnt, dass dem so sei, und da glaube ich ihm mal.
Tja und danach hat man dann auf Haiku d’etat gewartet, während DJ Drez immer weiter dazu beitrug, zum Highlight des Abends zu werden. Aber es gab keinen Auftritt von ihnen. Es gehört wohl angeblich zum Konzept, dass wenn die 3 MC’s auf Tour gehen,das sie sich alle als Special Guests featuren. Das muss man erstmal wissen!
Und so wurde der Abend immer länger. Leider steigerte sich auch die Müdigkeit und das Gefühl so langsam doch den Heimweg anzutreten. Aber aufgeben wollte ich noch nicht und zumindest entweder noch 15 min von Abstract Rude oder Aceyalone mitbekommen. Irgendwann trollte sich dann letztgenannter auf die Bühne und legte richtig los. Das war klassisch: ein MC der den DJ feiert und mit ihm interagiert. Aceyalone hat dann auch endlich das abgeliefert, worauf man den ganzen Abend insgeheim gewartet hat: Styles, Skills und Raps mit Flow. Das war zum alle 10 Finger ablecken. Doch leider obsiegte die Müdigkeit und mehr als 15 minuten habe ich dann auch tatsächlich nicht mehr geschafft. Schade, denn so kann ich nichts zu Abstract Rude sagen. Ich hätte ihn zu gerne gesehen. Aber gut. Der Abend war doch unterhaltsam. DJ Drez bekommt den größten Applaus. Wer die Gelegenheit hat in live zu sehen, der soll das unbedingt machen!!
P.S.: Liebes Wettbüro-Team, ein bischen mehr Organisation tut solchen Veranstaltungen gut. In Anbetracht der Anzahl an Acts ist dann doch manchmal weniger mehr.


“Das war zum alle 10 Finger ablecken.” << nice.