Der wahre Weg zur spirituellen Erneuerung – eine gepflegte, reinigende Apokalypse

Endlose Sommer ohne Palmen – Denzel auf Wüstenwanderung nach San Francisco
THE BOOK OF ELI
Wenn es nach Hollywood geht, ist es um die Zukunft der Erde seit je her schlecht bestellt. Ob sie nun zerbombt, verseucht, überflutet oder zerbröselt wird, irgendwann erwischt es uns – und ja, die Tage danach werden kein Zuckerschlecken. Horden verwilderter Ex-Zivilisierter werden marodierend durch die verwüsteten Symbole des menschlichen Hochmuts ziehen, immer auf der Flucht vor Zombies, Viren, Maschinen oder den ehemaligen Nachbarn. Und klar ist, ein Tropfen Wasser oder Benzin ist mehr wert als ein Eimer Blut. So herrschen Chaos, Krankheit und Tod und Kannibalismus scheint die einzig vernünftige Ernährungsalternative für den sonst Fast Food-verwöhnten Gaumen zu sein.
Abgesehen vom Ursprung der dieser Szenarien vorhergehenden Katastrophe, die meist die tagesaktuellen Ängste der gegenwärtigen Menschheit widerspiegelt, unterscheiden sich diese Filme nicht wesentlich voneinander. Mit oft drastischen Mitteln werden gesellschaftliche Missstände in eine hoffnungslose und triste Zukunft projiziert, in der ein Einzelner oder eine kleine Gruppe von Menschen, immer noch den nostalgisch anmutenden moralischen Werten unterworfen, ums Überleben kämpft und nebenbei versucht die menschliche Rasse zu resozialisieren. So hält man uns also in regelmäßigen Abständen einen Spiegel vor’s Gesicht und schenkt uns einen niederschmetternden Blick auf uns und unsere Zukunft.
Inhaltlich hebt sich auch „The Book of Eli“ nicht wirklich von anderen Filmen dieses Genres ab: Irgendein Krieg hat 30 Jahre vor der einsetzenden Handlung die Menschheit und deren überlegene Errungenschaften vom Angesicht der Erde hinweggefegt. Den atomare Super-GAU über die Jahre zur Legende verklärt, vegetieren die letzten Überlebenden in den Ruinen ihrer Vorfahren vor sich hin und wer nicht brutal genug ist, der hat nichts zu melden. Dennoch schaffen es Albert und Allen Hughes (From Hell) durch eine stimmige Atmosphäre und einen überzeugenden Look die Zuschauer in ihren Bann zu ziehen. Durch ihre über große Strecken des Film eher ruhige Dramaturgie, wird die Trostlosigkeit im postapokalyptischen Alltag eingängig verdeutlicht, denn Zeit spielt in diesem Leben keine Rolle mehr. Der wie immer sehr zurückhaltende Denzel Washington passt sich mit seiner stoische Ruhe und seiner fast nervtötende Höflichkeit perfekt an diese Erzählweise an und bildet einen überzeugenden Gegensatz zu seinem unter gefährlicher Hochspannung stehenden Widersacher (Gary Oldman).
Sieht man also von ein paar Logik-Lücken und Regie-Fehlerchen (allem voran das „Perlweiss-Lächeln“ unseres Erlösers) ab und hegt keine zu große Abneigung gegen den penetrant edlen, schwarzen Kino-Ritter Denzel Washington, stellt „The Book of Eli“ tatsächlich einen recht sehenswerten Endzeit-Film dar.
Ach ja, über die gegen Ende immer stärker werdende religiöse Note des Films sollte man sich angesichts des Filmtitels und des im Vorfeld veröffentlichten Inhalts nicht wundern. Und weil der Glaube ja bekanntlich Berge versetzt, wird am Ende auch hier ein kleines Fünkchen Hoffnung gesät und der Grundstein zum Relaunch der menschlichen Zivilisation gelegt.

