Ein Gastbeitrag
Das neue Mogwai-Album ist das Paradebeispiel für meinen neuerlichen Entschluss, wieder vermehrt CD´s zu kaufen. Es ist schon ein Unterschied, ob ich irgendwelche MP3-Ordner in iTunes durchklicke oder mich in meinem CD-Regal für eine Scheibe entscheide, sie Zunge schnalzend in den CD-Player schiebe und auch einen kleinen Moment noch ein Cover betrachten kann. Das ist für mich der feine, aber wichtige Unterschied: die Identität und Individualität der Musik. Das schafft kein Ordner.
Und dann noch so ein Hammer wie „Hardcore will never die, but you will“. Mogwai´s Gleichgültigkeit in puncto Titel- bzw. Albennamen ist ja bekannt, aber SOLCH eine Ansage macht neugierig. Also ab in den CD-Player und ab geht die Post(Rock-Legende). Mit „White Noise“ haben wir einen gefälligen Einstieg. Nichts ist falsch daran, eine Nummer an den Anfang zu setzen, die sich allmählich und ganz dezent in die Hirnwindungen schleicht, um dort als trojanisches Pferd zu verbleiben. Hätte Sir Mogwai mich vorher gefragt, wäre mein Opener ganz klar Titel Nr. 3, also „Rano Pano“, gewesen, denn die Analogie zum Album-Namen ist hier ganze Ecken erkennbarer. Nun gut. Ein schöner, freundlicher Einstieg, nicht untypisch für Mogwai-Alben, aber wir haben auch schon anderes erlebt.
Es folgt „Mexican Grand Prix“ und die anfänglichen Achtelkicks der Bassdrum klingen (wenn man will) tatsächlich wie das gemütliche Blubbern eines Automotors. Ansonsten ist nichts auszusetzen an diesem Titel, die bekannten unverständlichen Vocoder-Textfragmente, schöne Synthie-Arpeggios, eindrucksvolle dynamische E-Gitarren, ein druckvoller, rollender Bass, ein treibendes Drumming – fertig ist eine geschmackvolle mexikanische Rennnummer aus den schottischen Highs.

Und jetzt kommts: „Rano Pano“. DER fiese Song des Albums. Vom Stil her hätte ER der Trojaner sein müssen. Dieser Song stellt sich nicht höflich vor, nein, er greift direkt durch Auge und Großhirnrinde ins Kopfinnere und schüttelt wie blöde. Daher empfiehlt sich: Kopfhörer aufsetzen, der Außenwelt für 5:15 min Adieu sagen, sich widerstandslos ergeben.
Eine kleine Analyse: 8 Takte knarzendes Gitarrenthema links, dann unisono mit Gitarre Nr.2 rechts, dann Thema mittig, dann der Bass, der das alles in den längst fälligen harmonischen Rahmen wummert. Die pochenden Achtelnoten des Basses stimmen einen mittelfristig schon auf das Schlagzeug ein, welches anschließend den Reigen in die rhythmische Maske zwingt. Und von „zwingen“ muss man hier sprechen, denn das Gitarrenthema lebt bis dato komplett von seinem eigenen rhythmischen Schema. Was fehlt noch? Ganz klar, der synthetische Klang – natürlich mit dem altbekannten Thema. Nun folgt Schicht auf Schicht. Noch ein Synthiklang, dann noch eine Gitarre, diesmal mit einem eigenen Klangmuster. Spätestens hier ziehen Bilder von einer Fließbandfabrik vor meinem geistigen Auge vorbei, denn hier wird GEARBEITET. Stoisch und unerbittlich wiederholt sich immer und immer wieder dieses 8-taktige Thema. Stereo sei Dank! Dann macht das Drumming mal eine kurze Pause – sie tut dem Ganzen, um der Abwechslung willen, sehr gut. Aber noch bevor der Arbeitsprozess ins Stocken kommt, melden sich Basedrum & Snare zurück und es wird weiter Druck vom Feinsten produziert. Als gäbe es nur Mogwai, nur dieses Lied auf der Welt und sonst nichts, als wäre unser Sonnensystem kein helio-, sondern ein “Rano Pano“-zentrisches, teilen die 5 Musiker aus Glasgow aus, ohne auf Kollateralschäden zu achten. Letzte, aber sehr erwähnenswerte Bemerkung zu diesem grandiosen Song: die Stelle bei Minute 3:48. Die Gitarrenfront zieht sich kurz vorher für ein paar Takte zurück, um nachzuladen. Ein kurzer Moment der Entspannung für Ohren und die Seele. Aber die dumpfe Vorahnung, dass der finale Angriff unmittelbar bevorsteht, ist praktisch unmöglich zu ignorieren. Alles in mir wartet. Und wartet. Und wartet. Dann ein kurzes Schlagzeugbreak und die Gitarren feuern aus allen Rohren – in der parallelen, also klangverwandten Molltonart … Ja-woll.
„Rano Pano“ ist ein typisches Beispiel dafür, mit wie wenig Harmonien derart interessant und klangvoll 5:15 min musiziert werden kann.
Die restlichen Titel sind übrigens auch sehr schön, besonders Titel 6 „Letters to the Metro“.
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