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Das Kinojahr 2011

Unzählige Filme wurden im letzten Jahr wieder unter die Bevölkerung geworfen. Hier eine Auswahl derer, an die ich mich gern erinnere (willkürliche Reihenfolge):

… und bestimmt noch eine handvoll mehr, die ich aber noch nicht sehen konnte.

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01 2012

Kurz und bündig – Black Swan

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Spannend, düster, psychotisch – Black Swan

Tanzfilme waren mir immer schon ein Graus. Die Story vom armen, introvertierten Mädchen das den steinigen Weg zum Erfolg meistert um am Ende triumphierend ihre 15 Minuten Ruhm zu erhaschen hat bei mir immer eine leichte Übelkeit hervorgerufen. Die Steigerung davon wäre eigentlich nur ein Ballettfilm. Knochige Menschen mit viel zu engen Kleidern hopsen unter den Augen eines strengen und erbarmungslosen Choreographen Emotionen auf die Bühne. Allen voran ein armes, introvertiertes Mädchen, das den steinigen Weg zum Erfolg … und so weiter und so weiter.

Um so überraschter war ich vor einigen Monaten über mein wachsendes Interesse, als ich über die Ankündigung zu Black Swan stolperte. Drei Dinge ließen die Tanzfilm-Phobie in den Hintergrund rücken: ein interessanter Trailer, die Besetzungsliste und natürlich Darren Aronofski – seines Zeichens verantwortlich für solche Perlen wie “Pi”, “Requiem for a Dream” und natürlich Mickey Rourkes Sprungbrett ins Charakterfach “The Wrestler”.

Und ich sollte nicht enttäuscht werden. Black Swan ist durch und durch großartiges Kino und vermag es den Zuschauer von der ersten bis zur letzten Sekunde zu fesseln. Die Darstellung Natalie Portmans als am Erfolgsdruck zerbrechende Perfektionistin stellt eine Glanzleistung dar und es sollte mit dem Teufel zugehen, wenn sie den hochverdienten Oscar nicht bekommt.

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16

02 2011

TRON – Lethargie

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Die "sagenhaften" Actionszenen aus TRON – auf LSD vielleicht sogar spannend.

Es hätte die furiose Wiederbelebung eines Kultfilms werden können. Eine geniale Idee, fortgesetzt mit den Möglichkeiten aus knapp 30 Jahren Filmentwicklung. Aber verdammt noch mal, muss man dafür unbedingt einen Regieneuling nehmen?! Zugegeben, hin und wieder funktioniert dieses Konzept, erinnern wir uns beispielsweise an die unerreichte Alien-Reihe. Aber ein bisschen Gespür für Talent sollten die Produzenten dafür schon mitbringen. Es reicht leider nicht aus, sich lediglich auf ein paar blinkende 3D-Effekte zu verlassen – ein wenig dramaturgisches Geschick ist schon von Nöten, wenn man über eine absolut inhaltlose Handlung hinwegtäuschen möchte.

Auch schauspielerisch wird man in TRON-Legacy durchweg enttäuscht. Allen voran Jeff Bridges. Der Charaktermime und Ausnahmedarsteller hat sichtlich Schwierigkeiten in der “Blue-Box” zu agieren und mit unsichtbaren Gegenständen zu interagieren. So schlurft er barfuß als eine Art Cyber-Hippie durch die eintönig Landschaft und wirkt wie eine Mischung aus Gandalf und Lebowski.

Über den Hauptdarsteller (Garrett Hedlund), dessen Charisma mit dem einer angeschossenen Ente verglichen werden könnte, möchte ich gar nicht erst anfangen mich auszulassen.
Und was ist eigentlich mit Michael Sheen los? War er mit Filmen wie Frost/Nixon noch auf dem Weg ein ernstzunehmender Schauspieler zu werden, verkommt sein Kurzauftritt als Castor/Zuse zu einem grotesken “overacting” welches absolut deplatziert wirkt. Mit ein wenig Rumgehampel für Lacher zu sorgen schafft vielleicht Jack Sparrow, aber der wird bekanntermaßen ja auch von Johnny Depp verkörpert.

Als wirkliches Highlight kann dagegen die Musik von Daft Punk angesehen werden. Ihr 80er Retro-Elektro-Pop ist die perfekte Ergänzung zu den zugegeben vereinzelt beeindruckenden Bildern – auch wenn sie sich in den orchestralen Passagen ihres Soundtracks stark an Hans Zimmers Score zu “Inception” orientiert haben. In meine Augen ein absolutes “must-have” – um in der Sprach der Zeit zu bleiben.

Heimlicher Star des Films ist aber erwartungsgemäß das Designerteam, das sich wahrlich ins Zeug gelegt hat. Aber was nutzt eine durchgestylte Umgebung, wenn sie weder vom Regisseur noch von den Akteuren mit Leben gefüllt werden kann. So ist das sterile, milchig-kühle Ambiente des Film schnell eintönig und verliert dank der fehlenden Handlung extrem schnell an Faszination. Ab der zweiten Hälfte des Films hofft man daher nur noch auf ein schnelles Ende. Leider lässt dieses so lange auf sich warten, dass die “verschwurbelten”, philosophisch-religiösen Pseudoweisheiten zu einem wahren Martyrium für Aug und Ohr werden. Wenn dann noch romantisch zum Himmel geschaut wird und man sich über die Schönheit der Welt austauscht, kann man eigentlich nur noch die 3D-Brille Richtung Leinwand werfen und hoffen, sie trifft das Konterfei der mimischen Nihilisten um wenigstens eine einzige, glaubhafte emotionale Regung zu erhalten … ”Wie ist die Sonne eigentlich?” ”Warm, hell und wunderschön.” – Naja, quasi das ganze Gegenteil von TRON-Legacy.

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01

02 2011

SHUTTER ISLAND – Leo und der Inselkoller

Elitäres Ferienparadies – Shutter Island!

Elitäres Ferienparadies – Shutter Island!

Die Nachricht über einen neuen Scorsese-Film erweckte in mir sofort Glücksgefühle – unabhängig von dem gut gemachten, aber völlig irreführenden Trailer. Dieser suggerierte dem Zuschauer nämlich einen harter, nervenaufreibenden Psychoschocker, der an die Grenzen des ertragbaren zu gehen schien. Pustekuchen, ganz so schaurig wie versprochen war es dann doch nicht, was aber natürlich auch nicht der Grund dafür war, sich diesen Film möglichst zeitnah zum Kinostart anzuschauen. Die damit angesprochene Zielgruppe hatte man aber erreicht, wie ein schweifender Blick durch den Zuschauerraum verriet.

Zum Film. Scorsese hat einmal mehr bewiesen, dass er zu den großen Regisseuren seiner Zeit gehört, obwohl “Shutter Island” definitiv nicht zu seinen besten Filmen gezählt werden kann – aber das war “Departed” ja auch nicht und hat ihm trotzdem nach sechs erfolglosen Nominierungen einen Oscar eingebracht – vermutlich dem unerwarteten Erfolg des Films geschuldet und ein wenig aus Mitleid. So hat er aus dem begehrten Stoff zwar einen soliden und spannender Film gezaubert, die Genialität, beziehungsweise besondere Handschrift eines Martin Scorsese, die Filme wie “Casino”, “Good Fellas”, “Wie ein wilder Stier” oder selbst “Aviator” so unverwechselbar gemacht hat, kommt hier leider nur vereinzelt durch. Hinzu kommt, dass der Film letztendlich etwas lang geraten ist, und man zwischenzeitlich das Gefühl hat, endlich mal zum Punkt kommen zu müssen. Ihn also um ein halbes Stündchen zu straffen, wäre sicherlich von Vorteil gewesen – und das sagt jemand der lange Filme mag und immer noch auf einen Directors Cut von “Gangs of New York” hofft. Großes Lob gilt allerdings wieder einmal Leonardo DiCaprio, der einmal mehr in jeder Sekunde des Films glänzt und die gesamte Bandbreite seines Könnens ausspielen darf.

Alles in allem ist “Shutter Island” sicherlich eine sehenswerter Film, der lediglich nur deshalb ein wenig enttäuscht, da man zu hohe Erwartungen hatte. Aber auffällig ist schon, dass die größten Erfolge Scorseses autobiografische Erzählungen sind – vielleicht liegen ihm solche Stoffe einfach mehr.

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02 2010

WOLFMAN – mal wieder auf den Wolf gekommen.

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Der Schwolf – halb Schwein, halb Wolf

Ach waren das noch Zeiten, als sich Kinobesucher von dem knarrenden Geräusch eines sich langsam öffnenden Sarges haben erschrecken lassen. Als es reichte eine Gummifledermaus durch die Luft zu werfen um einen Schauer zu erzeugen und weibliche Hauptdarsteller in einer Mischung aus Angst und sexueller Erregung in Ohnmacht fielen bevor sie vom Pappmasche-Monster verschleppt wurden. Heute fliest das Blut in Bächen. Es wird gefoltert, gehackt und geschlachtet und was in den Anfängen des Kinos noch vorsichtig angedeutet wurde, wird heute in Nahaufnahme in allen Detail ausgiebig zelebriert. So zeigt die Entwicklung des Horrorfilms am deutlichsten, wie sich die Sehgewohnheiten des Publikums in nur wenigen Jahrzehnten verändert haben und die Ekelgrenze Schritt für Schritt nach oben gesetzt wird.

Schön wenn es dann und wann die Neuauflage eines Klassikers schafft, den Spagat zwischen einer zeitgemäßen Umsetzung und dem Geist des Originals zu meistern. Und die Erwartungen waren hoch, gehört „Wolf Man“ neben Dracula, Frankenstein und der Mumie doch zu den großen Universal-Horror-Klassikern. Aber überzeugende Schauspieler, eine opulente Ausstattung und die konsequente Erzählweise, machen die uralte Parabel über Segen und Fluch der Möglichkeit dem Tier im Manne freien Lauf lassen zu können zu einem vergnüglich-schaurigen Kinoabend. Natürlich geht es auch in Wolfman hin und wieder blutrünstig zur Sache, doch neben hirnlosem Folter-Franchise á la SAW oder Hostel, wirkt dieser lediglich wie eine Tierdoku über ein tollwütiges Wildschwein.

Wer also auf schön altmodischen Horror steht, bei dem die Effekte fast alle noch per Hand gemacht sind, ist mit diesem düsteren, spannenden Gruselfilm gut beraten.

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25

02 2010

Der wahre Weg zur spirituellen Erneuerung – eine gepflegte, reinigende Apokalypse

Endlose Sommer ohne Palmen – Denzel auf Wüstenwanderung nach San Francisco

Endlose Sommer ohne Palmen – Denzel auf Wüstenwanderung nach San Francisco

THE BOOK OF ELI

Wenn es nach Hollywood geht, ist es um die Zukunft der Erde seit je her schlecht bestellt. Ob sie nun zerbombt, verseucht, überflutet oder zerbröselt wird, irgendwann erwischt es uns – und ja, die Tage danach werden kein Zuckerschlecken. Horden verwilderter Ex-Zivilisierter werden marodierend durch die verwüsteten Symbole des menschlichen Hochmuts ziehen, immer auf der Flucht vor Zombies, Viren, Maschinen oder den ehemaligen Nachbarn. Und klar ist, ein Tropfen Wasser oder Benzin ist mehr wert als ein Eimer Blut. So herrschen Chaos, Krankheit und Tod und Kannibalismus scheint die einzig vernünftige Ernährungsalternative für den sonst Fast Food-verwöhnten Gaumen zu sein.

Abgesehen vom Ursprung der dieser Szenarien vorhergehenden Katastrophe, die meist die tagesaktuellen Ängste der gegenwärtigen Menschheit widerspiegelt, unterscheiden sich diese Filme nicht wesentlich voneinander. Mit oft drastischen Mitteln werden gesellschaftliche Missstände in eine hoffnungslose und triste Zukunft projiziert, in der ein Einzelner oder eine kleine Gruppe von Menschen, immer noch den nostalgisch anmutenden moralischen Werten unterworfen, ums Überleben kämpft und nebenbei versucht die menschliche Rasse zu resozialisieren. So hält man uns also in regelmäßigen Abständen einen Spiegel vor’s Gesicht und schenkt uns einen niederschmetternden Blick auf uns und unsere Zukunft.

Inhaltlich hebt sich auch „The Book of Eli“ nicht wirklich von anderen Filmen dieses Genres ab: Irgendein Krieg hat 30 Jahre vor der einsetzenden Handlung die Menschheit und deren überlegene Errungenschaften vom Angesicht der Erde hinweggefegt. Den atomare Super-GAU über die Jahre zur Legende verklärt, vegetieren die letzten Überlebenden in den Ruinen ihrer Vorfahren vor sich hin und wer nicht brutal genug ist, der hat nichts zu melden. Dennoch schaffen es Albert und Allen Hughes (From Hell) durch eine stimmige Atmosphäre und einen überzeugenden Look die Zuschauer in ihren Bann zu ziehen. Durch ihre über große Strecken des Film eher ruhige Dramaturgie, wird die Trostlosigkeit im postapokalyptischen Alltag eingängig verdeutlicht, denn Zeit spielt in diesem Leben keine Rolle mehr. Der wie immer sehr zurückhaltende Denzel Washington passt sich mit seiner stoische Ruhe und seiner fast nervtötende Höflichkeit perfekt an diese Erzählweise an und bildet einen überzeugenden Gegensatz zu seinem unter gefährlicher Hochspannung stehenden Widersacher (Gary Oldman).

Sieht man also von ein paar Logik-Lücken und Regie-Fehlerchen (allem voran das „Perlweiss-Lächeln“ unseres Erlösers) ab und hegt keine zu große Abneigung gegen den penetrant edlen, schwarzen Kino-Ritter Denzel Washington, stellt „The Book of Eli“ tatsächlich einen recht sehenswerten Endzeit-Film dar.

Ach ja, über die gegen Ende immer stärker werdende religiöse Note des Films sollte man sich angesichts des Filmtitels und des im Vorfeld veröffentlichten Inhalts nicht wundern. Und weil der Glaube ja bekanntlich Berge versetzt, wird am Ende auch hier ein kleines Fünkchen Hoffnung gesät und der Grundstein zum Relaunch der menschlichen Zivilisation gelegt.

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24

02 2010

(In)glorious Basterds – eine zweite Meinung

Die Erwartungen der selbst ernannten Cineasten an den schon im Vorfeld übermäßig „gehypten“ neuen Tarantino waren hoch, wenngleich meine selbigen nach dem etwas befremdlich anmutenden Trailer eher verhalten aussahen. Und dennoch, als ich mich mit betont unbeeindruckter und emotionsloser Grundstimmung in den für meine Verhältnisse überfüllten Kinosaal schob, erschien das Vorprogramm besonders lang. Die Vorfreude wuchs gewaltig. Als dann die letzte Werbung von der Leinwand verschwand und die sagenhafte Eröffnungssequenz begann, machte sich echte Begeisterung breit.
Muss ich mich kurz fassen, sage ich „Inglorious Basterds“ ist wirklich ein echt unterhaltsamer Film. Ein Film den man sich gern noch einmal anschaut. Die Dialoge sind bis ins letzte Wort penibel durchgestylt, witzig. Die Ausstattung ist perfekt. Man lacht, man staunt, man ekelt sich und Christoph Waltz zuzuschauen macht riesig Spaß – also ein gelungener Kinofilm!?

Aber – ausgiebig betrachtet: Ein „guter Film“, der die Begeisterungsstürme der Presse rechtfertigen würde ist es deshalb leider noch lange nicht.

Was zeichnet aber einen „guten Film“ aus? Nun er muss auf jeden Fall einen inhaltlichen Anspruch besitzen, der dem Zuschauer zumindest einen Funken an Intelligenz abverlangt. Er sollte ein Thema kritisch beleuchten, neue Denkansätze vermitteln, durch ambivalente Charaktere die in der Kunst oft übliche schwarz/weiß-Malerei umgehen, sodass es der Zuschauer schwer hat zwischen gut und böse zu unterscheiden. Er darf aber auch nur mal schnell das Kino neu definieren, bzw. ein neues Genre schaffen, wie es Tarantino mit „Pulp Fiction“ beispielhaft vorgemacht hat. Das ist dann auch genau der Grund, warum es dieser Film geschafft hat einen Kult-Status zu erlangen, welcher bei „Inglorious Basterd“ in diesem Maße nie erreicht werden wird.
Damit im Hinterkopf frage ich mich die Qualität des Films durchleuchtend: Was will der Film transportieren? Was ist der Sinn hinter einer Szene in der Hitler das Gesicht durchsiebt wird oder Nazis skalpiert werden? Wobei nach der Meinung der „Basterds“ ja jeder Deutsche in Uniform ein Nazi ist und auf bestialische Weise abgeschlachtet werden darf – deren Motiv ist ja „edel“.
Soll das etwa die viel zitierte Befreiung der Deutschen vom Gespenst des Nationalsozialismus sein? Fühlen wir uns jetzt besser? Schafft es der Film wirklich wie oft behauptet die bedrückende Selbstgeißelung zu unterbrechen und den Schandfleck der deutschen Geschichte aus dem kollektiven Gedächtnis zu verdrängen? Jetzt dürfen auch wir wieder lachen – die Amis haben es uns erlaubt. Absolution durch den Kauf einer Kinokarte? Nichts von all dem – lediglich das bekannte Thema Gewalt mit Humor zu paaren auf einer relativ neuen, jederzeit austauschbaren Bühne – diesmal dem faschistischen Deutschland. Ob also die unterdrückten nun Juden, Inkas, Kommunisten, Schwarze oder Indianer sind, die „Bösen“ nun Nazis, Spanier, Cowboys, Stalinisten oder sonst wer spielt für diesen Film eigentlich keine Rolle. Und ganz nebenbei – es ist nicht der erste Versuch dem Thema Faschismus humoristisch zu begegnen.

Und deshalb ist und bleibt es ein reiner Unterhaltungsfilm, der sich lediglich durch eine gelungene Umsetzung und der gekonnten Art berühmte Film-Szenen nach zustellen vom grauen Einheitsbrei des sog. Mainstream-Kinos abhebt. Der erwartete Meilenstein ist er aber leider nicht geworden.

Du, lieber Leser, meinst jetzt dies alles ist übertriebener „Möchtegern-Cineasten-Kritiker-Kram“? Das ist viel zu viel für einen Film der nur unterhalten will? Der nur zitieren will aus Western, Kriegs- oder Stummfilm? Richtig! Und daher schließt sich der Kreis hier wieder …

Ein weiterer Kritikpunkt der den „tarantesken“ Stil etwas vermissen lässt ist die fehlende Tiefe einzelner Rollen, die bis auf einige Ausnahmen (Waltz, Pitt, Diehl, Groth) eher blass wirken. Dies ist nicht unbedingt immer dem Können der Schauspieler zuzuschreiben, sondern vielmehr der Vernachlässigung einzelner Charaktere im Skript: Sgt. Donowitz’ exzessiver Hass bleibt ungeklärt. Lt. Hicox – eingeführt und weggemäht. Und über Lt. Aldo Rain erfährt man überhaupt nichts. Ganz zu schweigen vom Rest der „Basterds“. Vielleicht ist das ja auch der Grund warum Pitt auf ein Prequel drängt.
Der intensivste Wermutstropfen aber ist, und da muss ich mich meinem „Vorschreiber“ anschließen, unsere Diane – der „Exportschlager“ aus Hildesheim. Wer wissen will warum Deutschland in den Augen der Welt, neben unserer im Film dargestellten Vergangenheit, so schlecht dasteht, sollte sich Tarantinos filmische Zurschaustellung absoluter Talentlosigkeit ansehen. Und es sind dann auch die Augen, die sich einem in den Schädel drehen, wenn sich eine erneute Szene mit Frau Kruger anbahnt.
Schlimmer wird es dann nur, wenn sie auch noch den Mund aufmacht und in schmerzender „GZSZ-Tonalität“ ihre Sätze abspult. So erwischt man sich leicht erschrocken bei einem innerlichen Aufatmen, als (ACHTUNG Spoiler) im letzten Kapitel des Films Herr Landa ihrem Singsang auf effektive Weise ein Ende bereitet. Fast möchte man meinen er tue dies aus den selben Gründen wie eben beschrieben.
Im Vergleich zur Ohrenfolter durch Frau Kruger klingen die sparsam eingebrachten Bemerkungen von Herrn Schweiger fast schon wie Musik – der in diesem Film ohnehin recht knuffig wirkt, weil er immer so doll böse guckt. Tja, sorry Til, aber so richtig nehme ich dir den finsteren Deutschen nicht ab. Aber du hast dir auf alle Fälle viel Mühe gegeben. Dafür ein dickes Lob.

Zusammenfassend möchte ich sagen, dass sich jeder Tarantino-Fan „Inglorious Basterds“ anschauen kann. Auch wenn es sein bisher schwächster Film ist, so hebt er sich doch deutlich von vielen anderen dieses Kinojahres positiv ab. Man sollte aber meiner Meinung nach nicht versuchen ihm Anspruch oder intellektuellen Inhalt anzudichten um die teilweise extreme Gewalt zu rechtfertigen. Darin bestand zweifellos nie eine Absicht, sondern lediglich eine Hommage an die „Dirty War Movies“ der 1960/70er Jahre zu schaffen.

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01 2010