Archive for August, 2010
Tom Jones – Praise & Blame
Hin und wieder entdeckt der geneigte Musikliebhaber und –interessent Platten, die Sehnsüchte in Töne fassen, Melancholie greifbar machen und trotzdem versöhnlich und unbeschwert stimmen. In meinem Fall trifft das auf das Spätwerk von Johnny Cash, den Erstling von Philipp Poisel, sowie die gesammelten Werke von Sigur Ros zu.
Nun gesellt sich mit „Praise & Blame“ von Tom Jones ein weiteres Album in diese Liste ein. Der 70-jährige Waliser mit dem weltbekannten Timbre ist vielen wohl eher durch seine Discohits, wie dem mit dem deutschen Produzenten Mousse T. entstandene „Sex Bomb“ ein Begriff.
Nun also Praise & Blame. Die Platte, die Tom Jones der mit bürgerlichem Namen Thomas John Woodward heißt, schon seit seiner Zeit in Las Vegas aufnehmen wollte als er oft nach seiner regulären Show im Cesars Palace mit Elvis Preslay (der zur selben Zeit regelmäßig im International Hotel auftrat) in dessen Hotelzimmer Gospel Songs und Spirituals zum Besten gab. Tom Jones sagt, dass er und der King es liebten Gospel und Blues zu spielen, die Musik also, die die breite Öffentlichkeit und vor allem die Plattenfirmen von den beiden nicht hören wollte.

Praise & Blame ist tatsächlich der wohl extremste Gegensatz zu dem, wofür Jones bislang stand. Bereits die recht düstere Version von Bob Dylans „What good am I“, welche die Platte einleitet zeigt einen Tom Jones, der alle Goldketten und alle Mousse T. Irrungen vergessen lässt. Das hier ist nicht Disco, das ist Blues, Gospel und eine Spur Rockabilly. Das ist nicht Discokugel und Synthiegeflirre, das ist Gitarre (E- und Akkustik), Percussion, Klavier und Banjo (auf dem absolut großartig anrührenden „Did Trouble Me“). Hier ist ein Mann zu hören, der niemanden auch nur irgendetwas zu beweisen hat. Eine einzigartige Stimme trifft auf eine minimalistische und dabei unglaublich atmosphärische Instrumentierung.
Dass die Platte dabei bisweilen stark an Johnny Cash‘s American Recordings – Reihe erinnert schmälert den Eindruck in keinster Weise. Vielleicht haben wir es ja auch hier mit dem Start einer ganzen Reihe zu tun. Ich persönlich hätte nichts dagegen.
Die wahrscheinlich anrührendste und trotzdem versöhnlichste und tröstlichste Platte des Jahres.
Mr. Tom Jones – mit diesem Album bin ich Ihr Fan!
29
08 2010
Kinderzimmer Productions die Letzte…2010
Kinderzimmer Productions haben im September bekanntgegeben, den Entschluss gefasst zu haben sich aufzulösen. 2009 erschien ein Mitschnitt ausgewählter Stücke des Abschiedkonzertes von 2008.
Nun schrieben wir ja seit einigen Monaten das Jahr 2010 und denkt an nichts böses, da kommt plötzlich eine E-mail von Nicht-mehr-Existierenden und verkündet: ”
Hallo zusammen,
Es gibt Kinderzimmer immer noch nicht wieder, aber hören kann man uns trotzdem.
Wir hatten leichtsinniger Weise verlauten lassen: Wenn wir ein Orchester bekommen, spielen wir noch mal und FM 4 hat das hinbekommen. Kinderzimmer Productions spielt mit dem Radio-Symphonieorchester des ORF. Oder umgekehrt, schließlich stehen hier 70 Recken des RSO vier KP-Kameraden gegenüber (Jürgen Schlachter das Tier an den Drums und Oli Prechtl am Flügel und an der Celesta sind mit dabei).
Dieses Konzert kann man nur noch bis zum 21.August unter dem folgenden Link anschauen.
Viel Spaß
15
08 2010
Du hast schöne Schuhe an – No homo!
Rapper sind teilweise schon eine sonderbare Sorte Mensch. Das dürfte hinlänglich bekannt sein und bedarf keiner weiteren Erklärung. Auf eine Sache möchte ich aber gerne hinweisen, weil sie einfach zu abstrus ist.
Viele Rapper sind ja böse Gangster, der Eine mehr, der Andere weniger. Darüber gibt es unter den Rappern unterschiedliche Meinungen. “Ich bin besser als du” gehörte schon immer dazu. Um dies zu untermalen wurde und wird beleidigt was das Vokabular des Einzelnen so hergibt. Es ist wichtig zu wissen, dass sehr viele Rapper selbstverständlich unglaublich erfolgreich bei Frauen sind. Logisch, sie sind ja Bösewichte. Und weil sie Bösewichte sind, sind sie auch heterosexuell. Die schlimmste Beleidigung ist jene, mit der man den Konkurrenten als schwul bezeichnet. Denn Gangster sind nun mal harte Jungs und deswegen nicht schwul. Klar. ABER: Um es dem Feind so richtig zu geben, wurden sie verbal in den Arsch gefickt. Oder es wurde der Schwanz gelutscht und so weiter. Bisher ist noch keiner der Rapper auf die Idee gekommen, dass das irgendwie suspekt ist. Zumndest sind sie in Deutschland noch nicht so weit.
In den USA, natürlich, schon. Hier gibt es zwei kleine Worte, die verhindern sollen, dass man denken könnte, der Rapper sei schwul. Aktuellstes Beispiel Kanye West, wer auch sonst, zusammen mit Rihanna und Jay-Z im Titel “Run this Town”:
“Its crazy how you can go from being Joe Blow, to everybody on your d-ck, no homo…”
Herrlich! Interessanter Weise war es Kanye, der sich darüber beschwert hatte, dass es im HipHop zu homophob zuginge und meinte, dass man dieses hassen auf Schwule sein lassen solle! Unser Kanye wieder.
Weiter gehts. Auch Lil’ Wayne wies in seinem Song “Lollipop” am Anfang darauf hin, diese Aussage sei: No homo! Und aus einem anderen Titel: “…i love my niggaz, no homo…”
Es geht noch weiter. Mit der Aussage “No Homo” ist es nicht getan. Wird eine Aussage getroffen, die schwul klingt, sich aber davon nicht augenblicklich distanziert, ist der Gesprächspartner in der Pflicht darauf hinzuweisen, um festzustellen, ob derjenige schwul ist oder nicht. Dazu muss er “Pause” sagen.
Es ist so geil! Um das ein wenig zu verdeutlichen sei hier ein Dialog aus der Serie The Boondocks zitiert, die sich seit nunmehr 3 Staffeln mit afro-amerikanischen Stereotypen beschäftigen:
Riley: Pause! You said something gay, so you’ve gotta say “no homo,” or you’re a homo.
Granddad: I’m not saying “no homo.” All I said was I’m going to give him everything I’ve got.
Riley: Pause, Granddad! That is gay, and you’ve gotta say “no homo.” How am I supposed to know you’re not a homo, Granddad, if you don’t say “no homo.”
Ich bin mal gespannt wann deutsche Rapper auf den Zug springen und damit anfangen. Aber so wirklich sehe ich das nicht kommen.
13
08 2010
Bobby Hebb gestorben!
Jeder kennt “Sunny” und zumindest ich kenne keinen, der den Song nicht mag. Jenes tolle Sommerlied, welches Bobby Hebb vor dem Hintergrund des 22. Novembers 1963 schrieb, dem Tag, an dem John F. Kennedy erschossen und Hebbs älterer Bruder erstochen wurde. Das Lied sollte als heiterer Gegenpol zu den Ereignissen dieses Tages verstanden werden und wurde ein weltweiter und vielgecoverter Hit. den selbst Boney M. mit ihrer eher schlechten Version nicht zu zerstören wussten.
Ein Song so groß, dass alle weiteren Songs, die Bobby Hebb schrieb nebem ihm verblassten. Heute würde man wohl von einem One-Hit-Wonder sprechen.
Bobby Hebb verstarb am 3.8.2010 72-jährig in seiner Heimatstadt Nashville.
“…Sunny … yesterday my life was full of rain…”
V.A. – “Sunny – A Collection Of Various Interpretations Of…” hier bestellen!
04
08 2010
Marteria – Zum Glück in die Zukunft Snippet
Marteria fährt zu seinem kommenden Album Zum Glück in die Zukunft die ganz dicke Promotionschiene. Nach bereits zwei vorab veröffentlichten Videos zu Endboss und Verstrahlt, kann man sich nun das Snippet als Riesenappetizer anhören. Yammie!!! Die hoerboten können es kaum erwarten bis das Album draußen ist!
03
08 2010
Nada Surf live in Dresden – 29.07.2010
Am Donnerstag habe ich zum ersten Mal Nada Surf live gesehen. Ich nehme es gleich vorne weg: ich bin ein wenig entäuscht. Es war kein schlechtes Konzert, nein, es war gut. Leider nur gut, mehr aber auch nicht. Selbst das Gut tendiert zu einem guten Befriedigend. Es waren wenige kleine Dinge die nicht gepasst haben, um aus dem Abend ein hammermäßiges Erlebnis werden zu lassen.
Das fing schon beim Publikum an. Man sah sich von Kleinfamilien umgeben, Introlesenden Indie-und Alternativeintellektuellen, teilweise Nerds und noch andere Personen, die man so nicht unbedingt auf einem Konzert vermutet. Mir haben sie den Eindruck vermittelt, dass man sich zu einem riesigen Sonntagsbrunch verabredet hat und man sich dabei über schöne Musik unterhält. Ich hab ein Bild von How i met your mother einfach nicht aus dem Kopf bekommen. Keine Ahnung wie das zustande kam.
Die Band wirkte dem Publikum gegenüber kühl und distanziert. Der Eindruck eines Arbeitskonzerts stellte sich ein. Die veruchte wenige Kommunikation seitens Matthew Caws kam sehr aufgesetzt rüber. Dann war da noch der vierte Mann. Martin Wenk, seineszeichens bei Calexico für Trompete, Vibraphon, Gitarre, Akkordeon und Flügelhorn verantwortlich. Als er zum ersten Mal die Trompete einsetzte hörte man fast kein anderes Instrument mehr. Das geschah bei drei Liedern. Drei zuviel. Der Mann am Mischpult hat zudem eher schlechte als rechte Arbeit geleistet. Zu aufdringliche Becken und die Gitarre war auch zu laut, der Gesang war zu leise und den Bass hat man auch nur gehört, weil man einen Mann den Bass hat spielen sehen.
Von ihrem aktuellen Coveralbum haben sie insgesamt drei Titel gespielt. Seltsam wenig für eine Promotour. Das hat aber auch wenig gestört. Der Rest war ein schöner Mix aus altem Material. Wobei sie sich Popular hätten sparen können. Die Lieder haben alle Spaß gemacht, aber der Funke, der einen hätte wirklich mal abgehen lassen, ist nie gezündet worden. Der krönende Abschluss war dann ein Mix aus dem letztem Titel des Zugabearbeitssets Blankest Year, eines “Fuck it” grölendem Auditorium, nachdem sie von Matthew dazu aufgefordert wurden, und von modebewussten Verrückten, die ganz mutig auf die Bühne gekrochen sind und dort wild getanzt haben. Das wirkte gestellt, passte aber zum ganzen Abend.
Nun hab ich endlich Nada Surf live gesehen und muss es nicht noch einmal. Vorerst nicht.



