Berlin Tempelhof am 09. Februar 2010. Es ist kalt, es schneit, alles ist gefroren. Hier werden also Mastodon ihr aktuelles Album „Crack The Skye“ dem Berliner Publikum präsentieren und 50% der Hörboten lassen sich das nicht entgehen! Apropos Publikum: Es ist überraschend und erfreulich zu sehen, welch unterschiedliche Hörergruppen die amerikanische Band begeistert. Da stehen Mastodon Lookalikes, neben Klischee-Metallern und Damen und Herren jenseits der 40/50 in mehr oder weniger schicken Ausgehklamotten.
Doch zunächst entern die 2 Herren und ihre zierliche Kollegin von Totimoshi die Bühne des zu diesem Zeitpunkt schon gut gefüllten C-Clubs (vormals Columbia Club) und die haben gleich mehrere Probleme. Das Größte ist wohl die komplett fehlende Eigenständigkeit. Musik wie die frühen KoRn, Gesang wie eine Mischung aus Tool und den Deftones, Texte, die kaum zu erahnen, geschweige denn zu verstehen sind und genuschelte und schwer verständliche Zwischenansagen. Ohropax im Ohr (man wird halt „vernünftig“) stand man also da und dachte sich, dass man wohl nicht mehr der Typ ist für harte Rock- und Metalkonzerte. Doch da sollte ich eines besseren belehrt werden.

Nach der Umbaupause dann Bewegung. Zum einen im Saal, der sich nun sehr schnell füllt zum anderen auf der format- und bühnenfüllenden Videowand und schliesslich auf der Bühne selbst. Mastodon betreten die Bühne, verlieren kein Wort und legen direkt los. Was macht man auf der Bühne mit einem Album, welches als Konzeptwerk darauf angelegt ist am Stück gehört zu werden? Man spielt es einfach komplett und genau das haben die 4 aus Atlanta getan. Bereits der Opener „Oblivion“ macht eines klar: Das hier funktioniert nicht mit Ohropax in den Hörmuscheln also raus damit und einfach genießen. Auf der Videowand flackern wahlweise Szenen aus surrealistischen Stummfilmen aus den 20er und 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, das Artwork des Albums „Crack The Skye“ als Animation mit Retro-Charme oder Kompositionen aus beidem. Die Band selbst wird nur relativ schwach aber durchaus effektvoll ausgeleuchtet. Den Gesang teilen sich Troy Sanders und Brent Hinds wie gewohnt. Letzterer greift beim zweiten Song „Divinations“ zum Doubleneck-Bass, ersterer steht und spielt, wenn er nicht singt meist im Hintergrund neben Drummer Brann Dailor. Die Band spielt sich sichtlich in einen Rausch, was auch dadurch begünstigt wird, dass es keine Verschnaufpausen zwischen den Songs gibt, weder für die Band, noch für das Publikum!
Nach ca. 50 Minuten ist dann scheinbar alles vorbei. Die Band verlässt genauso wortlos die Bühne, wie sie gekommen war. Lediglich der Tour-Keyboarder bleibt auf der Bühne und an seinem Instrument. Zu seinem Spiel zeigt die Videowand eine Melange aus Artwork-Bildern in Endlosschleife, während hektisches Treiben auf der Bühne herrscht. Ein drittes Mikro wird aufgebaut, neue Gitarren in die dafür vorgesehenen Racks gestellt. Die Videoschleife erlischt, auf der Videowand erscheint das Covermotiv des 2006er Albums „Blood Mountain“ in leicht animierter Form, die Band betritt die Bühne um nun Songs aus den 3 Alben vor dem Aktuellen zu spielen. Immer umrahmt durch die Bewegt-Versionen der Cover der Jeweiligen Alben aus denen die Songs stammen. Gerade das des 2005er Moby-Dick-Konzeptalbums „Leviathan“, welches den weißen Wal im Kampf mit Kapitän Ahab zeigt passt wie die Faust aufs Auge zu dem, was da nun aus den Boxen kommt. Bent Hinds malträtiert jetzt eine Gibson Flying-V, Bill Kelliher (geil mit Vokuhila, Redneck-Schnäuzer und „Smoke Beer“-T-Shirt) hat zur Explorer gegriffen. Jetzt finden die großen Metal-Posen statt, in die Luft gereckte Gitarren, Hinds und Kelliher die sich frontal gegenüberstehend die Riffs um die Ohren hauen. Großartig und laut genug, dass die Ohrstöpsel doch wieder zum Einsatz kommen. Kelliher tritt ans Mikro und brüllt Love Unconditional ins Publikum…Gänsehaut. Nach 6 Songs aus den Alben „Blood Mountain“, „Leviathan“ und „Remission“ ist Schluss. Kein Wort, keine (weitere) Zugabe.
Das hier, meine Damen und Herren, war ganz ganz groß!