Archive for Februar, 2010

Johnny Cash – American VI: Ain’t No Grave

Johnny Cash’s “American VI – Ain’t No Grave” ist ein würdiges „zweites“ Finale der eigentlich bereits mit dem 2006er Werk „A Hundred Highways“ beendeten American Recordings Reihe. Erneut produziert von Rick Rubin und zusammengestellt aus Songs die während der Entstehung eben jenes 5. Teils entstanden, Ähnelt die Grundstimmung des neuen Albums sehr der des Vorgängers ohne jedoch so homogen wie dieser zu wirken. Das schmälert die Qualität der Platte allerdings keineswegs. Erneut verzaubert die 2003 verstorbene Country-Legende gefühlvollen Songs über Verzweiflung und Hoffnung, Aufgabe und Hingabe, Liebe und Schmerz.

Johnny Cash - American VI - Aint No Grave

Unterstützt wird Cash so oft zuvor von Mike Campbell, Benmont Tench, Matt Sweeney und anderen, die sich unverzichtbar aber angenehm zurückhaltend einbringen.
Der eröffnende Titeltrack groovt wie seinerzeit das großartige „God’s Gonna Cut You Down“ ist dabei aber etwas ruhiger und weniger kraftvoll. Das folgende Sheryl Crow Cover „Redemption Day“ reiht sich wunderbar in die Kollektion großartiger Coverversion ein, die jedes Werk der Reihe durchzieht. Und so geht es weiter und weiter und die gebrochene Stimme des alten Mannes trägt einen erneut durch ein einzigartiges Stück Musik. Schade, dass es jetzt anscheinend wirklich zu Ende ist! Danke Johnny Cash!

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02 2010

SHUTTER ISLAND – Leo und der Inselkoller

Elitäres Ferienparadies – Shutter Island!

Elitäres Ferienparadies – Shutter Island!

Die Nachricht über einen neuen Scorsese-Film erweckte in mir sofort Glücksgefühle – unabhängig von dem gut gemachten, aber völlig irreführenden Trailer. Dieser suggerierte dem Zuschauer nämlich einen harter, nervenaufreibenden Psychoschocker, der an die Grenzen des ertragbaren zu gehen schien. Pustekuchen, ganz so schaurig wie versprochen war es dann doch nicht, was aber natürlich auch nicht der Grund dafür war, sich diesen Film möglichst zeitnah zum Kinostart anzuschauen. Die damit angesprochene Zielgruppe hatte man aber erreicht, wie ein schweifender Blick durch den Zuschauerraum verriet.

Zum Film. Scorsese hat einmal mehr bewiesen, dass er zu den großen Regisseuren seiner Zeit gehört, obwohl “Shutter Island” definitiv nicht zu seinen besten Filmen gezählt werden kann – aber das war “Departed” ja auch nicht und hat ihm trotzdem nach sechs erfolglosen Nominierungen einen Oscar eingebracht – vermutlich dem unerwarteten Erfolg des Films geschuldet und ein wenig aus Mitleid. So hat er aus dem begehrten Stoff zwar einen soliden und spannender Film gezaubert, die Genialität, beziehungsweise besondere Handschrift eines Martin Scorsese, die Filme wie “Casino”, “Good Fellas”, “Wie ein wilder Stier” oder selbst “Aviator” so unverwechselbar gemacht hat, kommt hier leider nur vereinzelt durch. Hinzu kommt, dass der Film letztendlich etwas lang geraten ist, und man zwischenzeitlich das Gefühl hat, endlich mal zum Punkt kommen zu müssen. Ihn also um ein halbes Stündchen zu straffen, wäre sicherlich von Vorteil gewesen – und das sagt jemand der lange Filme mag und immer noch auf einen Directors Cut von “Gangs of New York” hofft. Großes Lob gilt allerdings wieder einmal Leonardo DiCaprio, der einmal mehr in jeder Sekunde des Films glänzt und die gesamte Bandbreite seines Könnens ausspielen darf.

Alles in allem ist “Shutter Island” sicherlich eine sehenswerter Film, der lediglich nur deshalb ein wenig enttäuscht, da man zu hohe Erwartungen hatte. Aber auffällig ist schon, dass die größten Erfolge Scorseses autobiografische Erzählungen sind – vielleicht liegen ihm solche Stoffe einfach mehr.

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02 2010

Motorpsycho – Heavy Metal Fruit

Das Motorpsycho 2010 ein Album rausbringen überrascht nicht. Immerhin haben sie seit 1989, bis auf eine 4 Jahre währende Pause, jedes Jahr etwas veröffentlicht. Das mag nach hoher Produktivität klingen, aber bei dem hohen Output waren auch allerhand Sachen dabei, die sie sich hätten sparen können. So ziemlich alles was nach “Trust us” herauskam und das war 1998.

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Aber nun ist “Heavy Metal Fruit” erschienen und endlich ENDLICH liegt ein Werk vor, bei dem man nicht permanent seine Finger auf der ffwd-Taste hat und auf wenigsten einen guten Song hofft. Man rollt auch nicht mehr entäuscht mit den Augen oder schüttelt den Kopf oder öffnet das CD-Fach nach den ersten 3 Titeln. NEIN. Von der ersten Minute an ist die Marschrichtung klar: Progessive Rock vom Feinsten! Da ist bei “Starhammer” in den ersten zwei Minuten so leises Brummen zu vernehmen, dass man meinen könnte es passiert nichts. Doch dann wird sich furios entladen, so als ob sich Motorpsycho ihrer Popvergangenheit mit riesiger Wonne entledigen. Irgendwann beruhigen sie sich wieder und jammen ein bischen herum, steigern sich bis zum vermeindlichen Höhepunkt des Liedes, reissen dann alles wieder ein und drehen dann erst richtig auf. “It’s been a long time now since i’ve seen the sun rise high to greet a blue sky“, heißt es bezeichnender Weise in dem fast 13 minütigen Eröffnungstitel. Im weiteren Verlauf des Albums verweilen die norwegischen 90er-Progressive-Druiden in einer Mischung aus 50er Jahre Klaviergeklimper, Ozzy Geplärre, Pink Floyd Bombast und Gejamme in feinster Jazzmanier. Und was man sonst nur von Konzerten kennt, findet sich diesmal auf CD wieder: schier endlos wirkende Lieder wie das ca. 21 Minuten Prachtstück “Gullible’s Travails“. Wahnsinn.
Woher die Rückbesinnung auf den Rock kommt? Keine Ahnung. Ob das wirklich am neuen Schlagzeuger Kenneth Kapstadt liegt weiß ich nicht. Kann aber gut möglich sein. Vielleicht haben sie sich einfach an das Schuster-Prinzip gehalten. Wer weiß. Egal was es ist, es ist schön, dass es wieder eine Motorpsycho-Platte auf ganz hohem Niveau gibt.

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02 2010

WOLFMAN – mal wieder auf den Wolf gekommen.

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Der Schwolf – halb Schwein, halb Wolf

Ach waren das noch Zeiten, als sich Kinobesucher von dem knarrenden Geräusch eines sich langsam öffnenden Sarges haben erschrecken lassen. Als es reichte eine Gummifledermaus durch die Luft zu werfen um einen Schauer zu erzeugen und weibliche Hauptdarsteller in einer Mischung aus Angst und sexueller Erregung in Ohnmacht fielen bevor sie vom Pappmasche-Monster verschleppt wurden. Heute fliest das Blut in Bächen. Es wird gefoltert, gehackt und geschlachtet und was in den Anfängen des Kinos noch vorsichtig angedeutet wurde, wird heute in Nahaufnahme in allen Detail ausgiebig zelebriert. So zeigt die Entwicklung des Horrorfilms am deutlichsten, wie sich die Sehgewohnheiten des Publikums in nur wenigen Jahrzehnten verändert haben und die Ekelgrenze Schritt für Schritt nach oben gesetzt wird.

Schön wenn es dann und wann die Neuauflage eines Klassikers schafft, den Spagat zwischen einer zeitgemäßen Umsetzung und dem Geist des Originals zu meistern. Und die Erwartungen waren hoch, gehört „Wolf Man“ neben Dracula, Frankenstein und der Mumie doch zu den großen Universal-Horror-Klassikern. Aber überzeugende Schauspieler, eine opulente Ausstattung und die konsequente Erzählweise, machen die uralte Parabel über Segen und Fluch der Möglichkeit dem Tier im Manne freien Lauf lassen zu können zu einem vergnüglich-schaurigen Kinoabend. Natürlich geht es auch in Wolfman hin und wieder blutrünstig zur Sache, doch neben hirnlosem Folter-Franchise á la SAW oder Hostel, wirkt dieser lediglich wie eine Tierdoku über ein tollwütiges Wildschwein.

Wer also auf schön altmodischen Horror steht, bei dem die Effekte fast alle noch per Hand gemacht sind, ist mit diesem düsteren, spannenden Gruselfilm gut beraten.

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02 2010

Der wahre Weg zur spirituellen Erneuerung – eine gepflegte, reinigende Apokalypse

Endlose Sommer ohne Palmen – Denzel auf Wüstenwanderung nach San Francisco

Endlose Sommer ohne Palmen – Denzel auf Wüstenwanderung nach San Francisco

THE BOOK OF ELI

Wenn es nach Hollywood geht, ist es um die Zukunft der Erde seit je her schlecht bestellt. Ob sie nun zerbombt, verseucht, überflutet oder zerbröselt wird, irgendwann erwischt es uns – und ja, die Tage danach werden kein Zuckerschlecken. Horden verwilderter Ex-Zivilisierter werden marodierend durch die verwüsteten Symbole des menschlichen Hochmuts ziehen, immer auf der Flucht vor Zombies, Viren, Maschinen oder den ehemaligen Nachbarn. Und klar ist, ein Tropfen Wasser oder Benzin ist mehr wert als ein Eimer Blut. So herrschen Chaos, Krankheit und Tod und Kannibalismus scheint die einzig vernünftige Ernährungsalternative für den sonst Fast Food-verwöhnten Gaumen zu sein.

Abgesehen vom Ursprung der dieser Szenarien vorhergehenden Katastrophe, die meist die tagesaktuellen Ängste der gegenwärtigen Menschheit widerspiegelt, unterscheiden sich diese Filme nicht wesentlich voneinander. Mit oft drastischen Mitteln werden gesellschaftliche Missstände in eine hoffnungslose und triste Zukunft projiziert, in der ein Einzelner oder eine kleine Gruppe von Menschen, immer noch den nostalgisch anmutenden moralischen Werten unterworfen, ums Überleben kämpft und nebenbei versucht die menschliche Rasse zu resozialisieren. So hält man uns also in regelmäßigen Abständen einen Spiegel vor’s Gesicht und schenkt uns einen niederschmetternden Blick auf uns und unsere Zukunft.

Inhaltlich hebt sich auch „The Book of Eli“ nicht wirklich von anderen Filmen dieses Genres ab: Irgendein Krieg hat 30 Jahre vor der einsetzenden Handlung die Menschheit und deren überlegene Errungenschaften vom Angesicht der Erde hinweggefegt. Den atomare Super-GAU über die Jahre zur Legende verklärt, vegetieren die letzten Überlebenden in den Ruinen ihrer Vorfahren vor sich hin und wer nicht brutal genug ist, der hat nichts zu melden. Dennoch schaffen es Albert und Allen Hughes (From Hell) durch eine stimmige Atmosphäre und einen überzeugenden Look die Zuschauer in ihren Bann zu ziehen. Durch ihre über große Strecken des Film eher ruhige Dramaturgie, wird die Trostlosigkeit im postapokalyptischen Alltag eingängig verdeutlicht, denn Zeit spielt in diesem Leben keine Rolle mehr. Der wie immer sehr zurückhaltende Denzel Washington passt sich mit seiner stoische Ruhe und seiner fast nervtötende Höflichkeit perfekt an diese Erzählweise an und bildet einen überzeugenden Gegensatz zu seinem unter gefährlicher Hochspannung stehenden Widersacher (Gary Oldman).

Sieht man also von ein paar Logik-Lücken und Regie-Fehlerchen (allem voran das „Perlweiss-Lächeln“ unseres Erlösers) ab und hegt keine zu große Abneigung gegen den penetrant edlen, schwarzen Kino-Ritter Denzel Washington, stellt „The Book of Eli“ tatsächlich einen recht sehenswerten Endzeit-Film dar.

Ach ja, über die gegen Ende immer stärker werdende religiöse Note des Films sollte man sich angesichts des Filmtitels und des im Vorfeld veröffentlichten Inhalts nicht wundern. Und weil der Glaube ja bekanntlich Berge versetzt, wird am Ende auch hier ein kleines Fünkchen Hoffnung gesät und der Grundstein zum Relaunch der menschlichen Zivilisation gelegt.

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24

02 2010

Massive Attack – Heligoland

Massive Attack sind nach 7 Jahren wieder da und die Skepsis ist groß. Nachdem ja das letzte Album “100th Windows” für mich in der Diskographie nicht existiert und der Standard auf jeden Fall “Mezzanine” ist, ist die Erwartungshaltung sehr hoch. Und was soll ich sagen? Ich bin positiv überrascht, sehr sogar. Damit hab ich nicht gerechnet, dass es Massive Attack noch einmal schaffen so ein famoses Album zu veröffentlichen.

Massive Attack - Heligoland

Das lässt sich vielleicht damit begründen, dass das vorliegende Werk nicht an den typischen Massive Attack TripHop Sound erinnert. Und doch ist das Album so wunderschön entspannt, chillig und “trippig” – wer es braucht.
Die Lieder sind alles kleine Meisterwerke, die sehr komplex und vielschichtig sind. Schon das Eröffnungslied mit Tunde Adebimpe, seines Zeichens Sänger von TV on the Radio, ist so überzeugend. Da stimmt einfach alles. Die dramatisch melancholische Stimme harmoniert wunderbar mit den herrlich organisch rollenden Drums, die zwar extrem an “Inertia Creeps” erinnern, was aber nicht weiter schwer wiegt. Und eben diese Harmonie ist maßgebend für jedes Lied auf dem Album. Die Produktionen mit den einzelnen Gesangseinlagen ergeben immer eine einhunderfünfzigprozentige Symbiose. Die absoluten Sahnestücke sind für mich, das bereits erwähnte Eröffnungslied “Pray for Rain” feat. Tunde Adebimpe, “Babel” und “Psyche” feat. Martina Topley-Bird und “Flat of the Blade” feat. Guy Garvey – Sänger von Elbow – ist das Sahnestück mit zusätzlich Schlagsahne und Kirsche oben drauf. Großartig!
Die Bezeichnung TripHop trifft auf das vorliegende Werk nicht mehr zu. Massive Attack sind einen riesigen Schritt weiter gegangen, auch wenn er so lange gedauert haut. Wenn der nächste wieder so groß und lang wird, dann warte ich auch gerne wieder 7 Jahre!

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02 2010

Percy Jackson – Quatsch mit Sauce

Tja, man hätte es sich denken können. Die Jonas Bothers treffen God Of War…das kann nur wenig bis gar nichts werden. Dabei habe ich große Lust auf einen neuen Film der sich die griechische Mythologie zum Thema nimmt und hege deshalb große Hoffnungen in das Remake von “Clash of the Titans” oder die potentielle “God Of War”-Verfilmung.

Ohne die Bücher zu kennen fand ich anfangs die Idee das Ganze in die Jetztzeit zu holen durchaus interessant, aber “Percy Jackson – Diebe im Olymp” macht sich hier vieles zu einfach. Man nimmt sich weder die Zeit, die Figuren vorzustellen und einzuführen, noch gelingt es die “Story” plausibel zu erklären. Ständig beschleicht einen das Gefühl, das der Plot um die Figuren gesrickt wurde, um so viele Figuren der griechischen Mythologie, wie nur möglich unterzubringen. Zugegeben, die Effekte sind solide und Uma Thurman als Medusa ist auch wirklich beeindruckend aber das täuscht auch nicht über die durch und durch amerikansierte Story hinweg. So befindet sich der Eingang zum Hades in L.A. (was eine nette augenzwinkernde Idee ist), der zum Olymp auf dem Dach des Empire State Building (!). Ich hätte wenigstens eines von beiden in Griechenland vermutet aber vielleicht bin ich da zu naiv! Zu erwähnen sei noch, das die deutsche Synchronisation absolut unterirdisch ist und bestenfalls das Niveau von TV-Serien-Synchros hat. Den Eintrittspreis kann man sich sparen.

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02 2010

Mastodon Live im C-Club, Berlin

Berlin Tempelhof am 09. Februar 2010. Es ist kalt, es schneit, alles ist gefroren. Hier werden also Mastodon ihr aktuelles Album „Crack The Skye“ dem Berliner Publikum präsentieren und 50% der Hörboten lassen sich das nicht entgehen! Apropos Publikum: Es ist überraschend und erfreulich zu sehen, welch unterschiedliche Hörergruppen die amerikanische Band begeistert. Da stehen Mastodon Lookalikes, neben Klischee-Metallern und Damen und Herren jenseits der 40/50 in mehr oder weniger schicken Ausgehklamotten.

Doch zunächst entern die 2 Herren und ihre zierliche Kollegin von Totimoshi die Bühne des zu diesem Zeitpunkt schon gut gefüllten C-Clubs (vormals Columbia Club) und die haben gleich mehrere Probleme. Das Größte ist wohl die komplett fehlende Eigenständigkeit. Musik wie die frühen KoRn, Gesang wie eine Mischung aus Tool und den Deftones, Texte, die kaum zu erahnen, geschweige denn zu verstehen sind und genuschelte und schwer verständliche Zwischenansagen. Ohropax im Ohr (man wird halt „vernünftig“) stand man also da und dachte sich, dass man wohl nicht mehr der Typ ist für harte Rock- und Metalkonzerte. Doch da sollte ich eines besseren belehrt werden.

Mastodon

Nach der Umbaupause dann Bewegung. Zum einen im Saal, der sich nun sehr schnell füllt zum anderen auf der format- und bühnenfüllenden Videowand und schliesslich auf der Bühne selbst. Mastodon betreten die Bühne, verlieren kein Wort und legen direkt los. Was macht man auf der Bühne mit einem Album, welches als Konzeptwerk darauf angelegt ist am Stück gehört zu werden? Man spielt es einfach komplett und genau das haben die 4 aus Atlanta getan. Bereits der Opener „Oblivion“ macht eines klar: Das hier funktioniert nicht mit Ohropax in den Hörmuscheln also raus damit und einfach genießen. Auf der Videowand flackern wahlweise Szenen aus surrealistischen Stummfilmen aus den 20er und 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, das Artwork des Albums „Crack The Skye“ als Animation mit Retro-Charme oder Kompositionen aus beidem. Die Band selbst wird nur relativ schwach aber durchaus effektvoll ausgeleuchtet. Den Gesang teilen sich Troy Sanders und Brent Hinds wie gewohnt. Letzterer greift beim zweiten Song „Divinations“ zum Doubleneck-Bass, ersterer steht und spielt, wenn er nicht singt meist im Hintergrund neben Drummer Brann Dailor. Die Band spielt sich sichtlich in einen Rausch, was auch dadurch begünstigt wird, dass es keine Verschnaufpausen zwischen den Songs gibt, weder für die Band, noch für das Publikum!

Nach ca. 50 Minuten ist dann scheinbar alles vorbei. Die Band verlässt genauso wortlos die Bühne, wie sie gekommen war. Lediglich der Tour-Keyboarder bleibt auf der Bühne und an seinem Instrument. Zu seinem Spiel zeigt die Videowand eine Melange aus Artwork-Bildern in Endlosschleife, während hektisches Treiben auf der Bühne herrscht. Ein drittes Mikro wird aufgebaut, neue Gitarren in die dafür vorgesehenen Racks gestellt. Die Videoschleife erlischt, auf der Videowand erscheint das Covermotiv des 2006er Albums „Blood Mountain“ in leicht animierter Form, die Band betritt die Bühne um nun Songs aus den 3 Alben vor dem Aktuellen zu spielen. Immer umrahmt durch die Bewegt-Versionen der Cover der Jeweiligen Alben aus denen die Songs stammen. Gerade das des 2005er Moby-Dick-Konzeptalbums „Leviathan“, welches den weißen Wal im Kampf mit Kapitän Ahab zeigt passt wie die Faust aufs Auge zu dem, was da nun aus den Boxen kommt. Bent Hinds malträtiert jetzt eine Gibson Flying-V, Bill Kelliher (geil mit Vokuhila, Redneck-Schnäuzer und „Smoke Beer“-T-Shirt) hat zur Explorer gegriffen. Jetzt finden die großen Metal-Posen statt, in die Luft gereckte Gitarren, Hinds und Kelliher die sich frontal gegenüberstehend die Riffs um die Ohren hauen. Großartig und laut genug, dass die Ohrstöpsel doch wieder zum Einsatz kommen. Kelliher tritt ans Mikro und brüllt Love Unconditional ins Publikum…Gänsehaut. Nach 6 Songs aus den Alben „Blood Mountain“, „Leviathan“ und „Remission“ ist Schluss. Kein Wort, keine (weitere) Zugabe.

Das hier, meine Damen und Herren, war ganz ganz groß!

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02 2010

Rinkk – Skketches

Um euch diese wunderbare Nachwuchsband aus den heimatlichen Gefilden näherzubringen und damit sich kristallisiert wer und vor allem was Rinkk ist, sei von der Homepage zitiert: Rinkk klingt wie, als ob ein Reh (mit schwarzen Flecken auf dem Rücken) aus dem Unterholz lugt und dabei niest. Oder wie die Sonne, die gerade ein Mittagsschläfchen macht und sich dabei den Wind des Universums über die Corona streichen lässt.
Oder wie zwei Vögelchen! Genau, wie zwei Vögelchen.
Aber am Ende klingts möglicherweise wie etwas, was unter Umständen an etwas erinnert. Und das könnte folgendes sein: Frieden. Oder eben auch nicht.

Rinkk

Dem Einen mag nun ein Licht aufgegangen sein oder zumindest dämmert es am Horizont. Denjenigen, die sich zu den Anderen zählen, denen beim besten Willen nichts einfallen mag was das nun heißen soll, sei folgendes gesagt: Rinkk machen stimmungsvollen Post-Rock. Stimmungsvoll im Sinne von heiter und leicht. Wobei Post-Rock schon eine zu fixe Kategorisierung ist. Die eigenen “Vorbilder” sind zum Beispiel Motorpsycho, Mogwai und Tortoise. Wer diese Bands kennt und wer sich Rinkk anhört, wird den Einfluss auf jeden Fall erkennen. Wer wunderschöne, handgemachte und vor allem mit viel viel Liebe celebrierte Musik mag, wird bei Rinkk fündig.

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02 2010

God is an Astronaut – All is violent, All is bright

All is violent, All is bright ist das zweite Album dreier Iren, die sich anschicken wunderschönen Post-Rock zu machen. Allerdings werden hier auf 20 Minutenlawinen verzichtet. Der längste Titel auf diesem Album ist “Forever Lost” und geht etwas mehr als 6 Minuten. Allgemein lässt sich festhalten, das sie hier etwas aus der Reihe tanzen. So verwundern dann schonmal Songs, die noch nicht einmal an der 3 Minutengrenze kratzen.

God Is An Astronaut

God is an Astronaut zaubern wunderschöne Melodien von herrlicher Intensität und Weite. Alles wirkt sehr sphärisch, harmonisch und erhaben. Klangwelten ist in diesem Bereich zwar ein sehr häufig benutztes Synomym, aber hier mal voll zutreffend. Sie konstruieren nach einem einfachen Prinzip ihre Lieder: erst alles in feinster Kleinarbeit und Perfektion erstehen lassen, um es dann kurz und schmerzlos nieder zu reißen.
Meine Empfehlungen sind die Titel: “Suicide by Star” und “When everything dies”. Wer Mogwai, Sigur Rós, Do Make Say Think und und und mag, der kann an God is an Astronaut einach nicht vorbei.

God Is An Astronaut – “All Is Violent All Is Bright” hier bestellen!

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02 2010