Archive for Januar, 2010

Rain Machine – Kyp Malone auf vertrackten Solopfaden

Das ist sie nun also, die erste Platte von Rain Machine, dem Soloprojekt von Kyp Malone, seines Zeichens Sänger und Gitarrist der New Yorker Soul-Prog-Art-Rock-Spezis TV On The Radio. Sperrig ist Sie geworden, schwer und sehr viel weniger zugänglich als die Platten von Malone‘s Hauptband. Intro und Einstiegstrack lassen noch einige Parallelen (abseits der Stimme) zu TV On The Radio erkennen, doch gerade ab dem zweiten Drittel verliert sich Kyp Malone oft in seinen Songs. Er wimmert, leidet, schreit, flüstert, singt zu spärlicher aber sehr stimmungsvoller Instrumentierung. Auf den Einsatz einer klassischen Rhythmussektion wird in der Regel komplett verzichtet, Rhythmus bedeutet hier Schellenkranz und Händeklatschen. Auch die restliche Instrumentierung beschränkt sich meist auf eine Akustik-Gitarre. Vieles gleicht eher einer Jam-Session als einem klassischen Song auch weil die Instrumentalpassagen zuweilen kein Ende zu finden scheinen. So geht Malone hier Wegen, die seine Hauptband nicht geht.

Rain Machine

Keine leichte Kost, aber eine unkonventionelle, intelligente Platte voller Spannung, Reibung und vieler wunderschöner Momente. Anders als TV On The Radio aber keinesfalls weniger großartig!

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31

01 2010

(In)glorious Basterds – eine zweite Meinung

Die Erwartungen der selbst ernannten Cineasten an den schon im Vorfeld übermäßig „gehypten“ neuen Tarantino waren hoch, wenngleich meine selbigen nach dem etwas befremdlich anmutenden Trailer eher verhalten aussahen. Und dennoch, als ich mich mit betont unbeeindruckter und emotionsloser Grundstimmung in den für meine Verhältnisse überfüllten Kinosaal schob, erschien das Vorprogramm besonders lang. Die Vorfreude wuchs gewaltig. Als dann die letzte Werbung von der Leinwand verschwand und die sagenhafte Eröffnungssequenz begann, machte sich echte Begeisterung breit.
Muss ich mich kurz fassen, sage ich „Inglorious Basterds“ ist wirklich ein echt unterhaltsamer Film. Ein Film den man sich gern noch einmal anschaut. Die Dialoge sind bis ins letzte Wort penibel durchgestylt, witzig. Die Ausstattung ist perfekt. Man lacht, man staunt, man ekelt sich und Christoph Waltz zuzuschauen macht riesig Spaß – also ein gelungener Kinofilm!?

Aber – ausgiebig betrachtet: Ein „guter Film“, der die Begeisterungsstürme der Presse rechtfertigen würde ist es deshalb leider noch lange nicht.

Was zeichnet aber einen „guten Film“ aus? Nun er muss auf jeden Fall einen inhaltlichen Anspruch besitzen, der dem Zuschauer zumindest einen Funken an Intelligenz abverlangt. Er sollte ein Thema kritisch beleuchten, neue Denkansätze vermitteln, durch ambivalente Charaktere die in der Kunst oft übliche schwarz/weiß-Malerei umgehen, sodass es der Zuschauer schwer hat zwischen gut und böse zu unterscheiden. Er darf aber auch nur mal schnell das Kino neu definieren, bzw. ein neues Genre schaffen, wie es Tarantino mit „Pulp Fiction“ beispielhaft vorgemacht hat. Das ist dann auch genau der Grund, warum es dieser Film geschafft hat einen Kult-Status zu erlangen, welcher bei „Inglorious Basterd“ in diesem Maße nie erreicht werden wird.
Damit im Hinterkopf frage ich mich die Qualität des Films durchleuchtend: Was will der Film transportieren? Was ist der Sinn hinter einer Szene in der Hitler das Gesicht durchsiebt wird oder Nazis skalpiert werden? Wobei nach der Meinung der „Basterds“ ja jeder Deutsche in Uniform ein Nazi ist und auf bestialische Weise abgeschlachtet werden darf – deren Motiv ist ja „edel“.
Soll das etwa die viel zitierte Befreiung der Deutschen vom Gespenst des Nationalsozialismus sein? Fühlen wir uns jetzt besser? Schafft es der Film wirklich wie oft behauptet die bedrückende Selbstgeißelung zu unterbrechen und den Schandfleck der deutschen Geschichte aus dem kollektiven Gedächtnis zu verdrängen? Jetzt dürfen auch wir wieder lachen – die Amis haben es uns erlaubt. Absolution durch den Kauf einer Kinokarte? Nichts von all dem – lediglich das bekannte Thema Gewalt mit Humor zu paaren auf einer relativ neuen, jederzeit austauschbaren Bühne – diesmal dem faschistischen Deutschland. Ob also die unterdrückten nun Juden, Inkas, Kommunisten, Schwarze oder Indianer sind, die „Bösen“ nun Nazis, Spanier, Cowboys, Stalinisten oder sonst wer spielt für diesen Film eigentlich keine Rolle. Und ganz nebenbei – es ist nicht der erste Versuch dem Thema Faschismus humoristisch zu begegnen.

Und deshalb ist und bleibt es ein reiner Unterhaltungsfilm, der sich lediglich durch eine gelungene Umsetzung und der gekonnten Art berühmte Film-Szenen nach zustellen vom grauen Einheitsbrei des sog. Mainstream-Kinos abhebt. Der erwartete Meilenstein ist er aber leider nicht geworden.

Du, lieber Leser, meinst jetzt dies alles ist übertriebener „Möchtegern-Cineasten-Kritiker-Kram“? Das ist viel zu viel für einen Film der nur unterhalten will? Der nur zitieren will aus Western, Kriegs- oder Stummfilm? Richtig! Und daher schließt sich der Kreis hier wieder …

Ein weiterer Kritikpunkt der den „tarantesken“ Stil etwas vermissen lässt ist die fehlende Tiefe einzelner Rollen, die bis auf einige Ausnahmen (Waltz, Pitt, Diehl, Groth) eher blass wirken. Dies ist nicht unbedingt immer dem Können der Schauspieler zuzuschreiben, sondern vielmehr der Vernachlässigung einzelner Charaktere im Skript: Sgt. Donowitz’ exzessiver Hass bleibt ungeklärt. Lt. Hicox – eingeführt und weggemäht. Und über Lt. Aldo Rain erfährt man überhaupt nichts. Ganz zu schweigen vom Rest der „Basterds“. Vielleicht ist das ja auch der Grund warum Pitt auf ein Prequel drängt.
Der intensivste Wermutstropfen aber ist, und da muss ich mich meinem „Vorschreiber“ anschließen, unsere Diane – der „Exportschlager“ aus Hildesheim. Wer wissen will warum Deutschland in den Augen der Welt, neben unserer im Film dargestellten Vergangenheit, so schlecht dasteht, sollte sich Tarantinos filmische Zurschaustellung absoluter Talentlosigkeit ansehen. Und es sind dann auch die Augen, die sich einem in den Schädel drehen, wenn sich eine erneute Szene mit Frau Kruger anbahnt.
Schlimmer wird es dann nur, wenn sie auch noch den Mund aufmacht und in schmerzender „GZSZ-Tonalität“ ihre Sätze abspult. So erwischt man sich leicht erschrocken bei einem innerlichen Aufatmen, als (ACHTUNG Spoiler) im letzten Kapitel des Films Herr Landa ihrem Singsang auf effektive Weise ein Ende bereitet. Fast möchte man meinen er tue dies aus den selben Gründen wie eben beschrieben.
Im Vergleich zur Ohrenfolter durch Frau Kruger klingen die sparsam eingebrachten Bemerkungen von Herrn Schweiger fast schon wie Musik – der in diesem Film ohnehin recht knuffig wirkt, weil er immer so doll böse guckt. Tja, sorry Til, aber so richtig nehme ich dir den finsteren Deutschen nicht ab. Aber du hast dir auf alle Fälle viel Mühe gegeben. Dafür ein dickes Lob.

Zusammenfassend möchte ich sagen, dass sich jeder Tarantino-Fan „Inglorious Basterds“ anschauen kann. Auch wenn es sein bisher schwächster Film ist, so hebt er sich doch deutlich von vielen anderen dieses Kinojahres positiv ab. Man sollte aber meiner Meinung nach nicht versuchen ihm Anspruch oder intellektuellen Inhalt anzudichten um die teilweise extreme Gewalt zu rechtfertigen. Darin bestand zweifellos nie eine Absicht, sondern lediglich eine Hommage an die „Dirty War Movies“ der 1960/70er Jahre zu schaffen.

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30

01 2010

Gorillaz 2010 – erste Single online

Das neue Jahrzehnt könnte tatsächlich ein gutes werden, zumindest musikalisch. Was wird da nicht alles angekündigt…meine Herren. Es bleibt dann bloß noch abzuwarten, wann wirklich und ob überhaupt – Stichwort Dr. Dre – die Alben erscheinen.
Nachdem das letzte Album der Gorillaz aus total unerklärlichen Gründen in den Medien untergegangen bzw. kein besonderes Feedback bekommen hat, soll am 05. März das dritte Album namens “Plastic Beach” erscheinen. Um die Wartezeit auf das Album zu verkürzen, darf man sich auf www.gorillaz.com die Vorabsingle “Stylo” feat. Bobby Womack & Mos Def anhören. Diese darf man sich dann ab 26. Januar auch kaufen.

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22

01 2010

Marteria 2010 … da kommt was Wunderschönes für’s Ohr!

http://www.vimeo.com/8313828

Sensationeller Marteria Clip, der eines zeigt. Guter Typ, Gute Musik, Gute Texte, Vorfreude aufs neue Album!

Wenns doch nur schon eher käme!

20

01 2010

The Herbaliser – Same as it never was

Wie tanzbar HipHop Musik sein kann ohne einen nervenden MC der darauf hinweisen muss, dass dieser Tune in den Club gehört und dazu am besten gleich noch der Maserati und die Fly-Girls sowieso, beweisen The Herbaliser mit ihrem 2008 unter !2K veröffentlichten Album “Same as it never was”.

Herbaliser

The Herbaliser haben stets HipHop, Jazz, Funk und Soul vermischt und verwurschtelt und daraus wunderbar abgehangene und super entspannte Alben gemacht. Dabei viel die Gewichtung der einzelnen Stile immer unterschiedlich aus. Immer von allem etwas, aber mal mehr HipHop/Rap oder mehr Jazz oder Soul.
Bei “Same as it never was” fühlt man sich automatisch an Tom Jones und Las Vegas erinnert. Es geht hier mit in die Richtung Disco/Funk. Sämtliche Titel sind herrlich leicht und beschwingt komponiert. Richtige Raps gibt es nur in 2 Liedern, was aber auch gar nicht schlimm ist. Der Rest ist entweder instrumental oder wird von der stimmgewaltigen Jessica Darling famos unterstüzt. Alles treibt nach vorne und will betanzt werden.
So herrlich kann HipHop sein.

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16

01 2010

Glorious Bastard

Die Reaktionen gleichen sich: “Ein absolut geiler Film. Dieser Christoph Waltz…Wahnsinn. Der hat ja jeden an die Wand gespielt. Gleich danach kommt Brad Pitt. Aber diese Diane Kruger geht ja mal gar nicht!”. Und so sieht das mal aus, verdammt. Was Herr Waltz an schauspielerischer Leistung zeigt ist definitiv einen Oscar Wert. Er beschwört unheimlich beklemmende Situationen und Stimmungen herauf, weil man seit der Eröffnungsszene weiß, wie der Charakter funktioniert. Und doch hat man sich jedesmal gefreut wenn er wieder aufgetaucht ist. Wegen seiner Art und Weise, wie er auftritt… sympathisch, charmant, höflich und witzig. Aber dennoch weiß man, dass er ein blöder Nazi ist, der unterwegs ist, um Juden und Systemfeinde aufzuspüren.
Brad Pitt war solide…wie immer ist man fast geneigt zu sagen. Dem soll aber keineswegs etwas Negatives anhaften. Mich hat er trotzdem die ganze Zeit über an Marlon Brando erinnert. Vor allem als er sich tarnen musste…LOL!

Inglorious Basterds

Aber diese Diane Kruger, um mal einen deutlichen negativen Aspekt aufzugreifen, geht ja mal gar nicht! Ich habe selten eine soooooo miese Schauspielerin gesehen. Keine Mimik und selbst Gestik hat gefehlt. Absolut talentfrei. Aber ich sehe das eher so, dass der Quentin das mit Absicht gemacht hat. Dennoch kann ich nicht nachvollziehen, warum. Ich mein, das wissen wir doch schon lange, dass DIE es einfach nicht kann. Bei all den anderen Filmen vom Quentin gab es von gar nicht bis selten eine so schlechte Besetzung einer Rolle. Von daher kann er das nicht ernst gemeint haben. Da muss ein tieferer Sinn drin liegen. Vielleicht wollte er uns zeigen wer aus Deutschland nach Hollywood gehört und wer lieber von der Leinwand verschwinden sollte. Und mit dem, der nach Hollywood gehört, meine ich nicht Til Schweiger! A propos: ich bin alles andere als ein Fan von Til, aber hier fand ich ihn richtig gut. Er hatte kaum Text, was einem diese quakende Stimme erspart, und durch die doch begrenzten Szenen mit ihm, die wirklich gut waren, bekommt er hier ein Lob von mir. Was wird der Til sich freuen, wenn er das liest!
Inglorious Basterds ist ein fantastischer Film. Endlich kriegen die Nazis mal cineastisch richtig aufs Maul. Es wurde höchste Zeit. Quentin Tarantino hat gezeigt, dass man dem damaligen Regime mit Humor begegnen kann. Wer das ablehnt und verneint, ist intollerant gegenüber auch anderer, notwendiger Vergangenheitsbewältigung.

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15

01 2010

Souls of Mischief und Montezuma rächen Rap!

Willkommen in 2010. Und doch werfen wir nochmal einen Blick zurück ins vergangene Jahr. Grund hierfür ist ein Album, welches erst in den letzten Wochen des vergangenen Jahres den Weg nach Deutschland gefunden hat und deshalb nicht in unseren Platten des Jahres auftaucht obwohl es dort hingehört wie kaum eine andere Platte 2009.

Die Rede ist vom Album „Montezuma’s Revenge“ der West-Coast Recken Souls of Mischief. Die Truppe aus dem Hieroglyphics-Umfeld zeigt hier auf Albumlänge äußerst eindrucksvoll, wieso Rap in den 90ern des vergangenen Jahrhunderts soviel besser, relevanter, smarter und cooler war als vieles, was heute die Ohren zumüllt. Schöne warme, organische Beats, Sprachsamples, Scratches, Flow und unpeinliche Texte zeigen warum vieles andere im Rap heutzutage so belanglos geworden ist. Kaum einer kann mehr wirklich Rappen (man denke nur an die Südstaaten-Bling Armeen), von durchdachten Texten ganz zu schweigen. Nicht so hier. A-Plus, Opio, Phesto, und Tajai zeigen auf ihrem insgesamt 5. Langspieler dass sie die technische und textliche Qualität ihres Debüt-Klassikers “93 til Infinity” auch über 15 Jahre nach dessen Erscheinen noch immer halten, ja sogar toppen können. 13 Anspielstationen (abzüglich des Intros, des Outros und der sehr unterhaltsamen Skits) machen sich ohne wirkliche Ausfälle daran Rap zu Retten.

Souls of Mischief

Produziert wurde das ganze von Domino, dem Hieroglyphics Haus- und Hof-Produzenten und vom De La Soul Produzenten und Ex-Gravedigga Prince Paul. Herrlich abgehangene, zurückgelehnte, teils jazzige Beats die sich angenehm vom heutigen Synthetikgeschwurbel abheben. Es wird wieder gescratcht, gejuggelt und gesamplet dass es eine wahre Freude ist! Verpackt in ein toll gestaltetes Cover ohne Bentleys, Bitches und Bling macht schon das Betrachten der Platte großen Spass! Die Juice schrieb die Platte sei ein Schlag ins Gesicht aller ewig Gestrigen. Ich behaupte, sie bestätigt auf eindrucksvolle Weise alles, was am Gestrigen gut war!

Wohlfühlplatte, Pflichtkauf!

Souls of Mischief – “Montezuma’S Revenge” hier bestellen!

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06

01 2010